Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 25.3.24

Diese lange Woche war recht kurz. Aber die meisten meiner Leser wissen ja, dass die lange Woche nichts mit der Länge der Woche zu tun hat. Wer es noch nicht weiß, dem empfehle ich eine etwas weniger bekannte Buchserie von Terry Pratchett. Die Welt muss ja nicht immer eine Scheibe sein.

Trotzdem war die Woche nicht arm an High- und an Lowlights.

In der Projektstudie haben sich die Studenten in Erinnerung bringen lassen, dass sie für die Durchführung des Reviews zuständig sind. Ziel des nullten Sprints war es, entwicklungsfähig zu werden. Das konnten die meisten demonstrieren.

Im Fach Softwaretechnik konnte ich schon mal einen Gastvortrag für eines der kommenden Semester im Fach Projektmanagement avisieren. Was mit einer Begehung im Rahmen der Akkreditierung des im Wintersemester startenden Studiengangs Angewandte KI zu tun hat. Dafür waren viele Studierende recht fleißig. Einer hat sogar das Rätsel um den Standardport 23123 des Zettelstore gelöst. Fast alle Gruppen hatte sich vorbereitet. So hatte die wenigsten Gruppen Streß bei den vier Laboraufgaben, von denen die beiden größeren am gleichen Tag abgegeben werden mussten. Man sollte nur aufpassen, nicht die Lösungen vom letzten Semester abzugeben. Besonders dann nicht, wenn man dieses Mal eine andere Problemstellung bearbeitet. Aber das ist Feintuning.

Highlight der Woche war, kleiner Tusch!, die Bereitstellung meiner Server zu Lehrzwecken. Nun kann ich mir ein Setup überlegen und installieren, wie man das SSO der Hochschule auch auf diesen Servern bereit stellen kann. Eine Anleitung gibt es (leider natürlich) nicht und die Server können nur via Updatefunktionalität (also: apt update, apt upgrade) auf Server außerhalb der HS-Netze zugreifen. Das macht das Arbeiten mit Python und Docker etwas schwieriger, aber ich wollte sowieso von beiden (Drogen?) weg.

Weiteres Highlight: der Kaffeeautomat war gereinigt und wollte am Dienstag nicht gereinigt werden. So konnten Heinrich Kümmerle und ich einen Vor-Vorlesungskaffee genießen, etwas plaudern, bevor es zu unseren Lehrveranstaltungen ging.

Lowlight der Woche ist der Lieferdienst mit den braunen Wagen. Für Ostern hatte ich etwas bestellt, es sollte am Mittwoch geliefert werden. Kurz vor dem avisierten Liefertermin kam folgende Nachricht:

Der gewählte Service ist für die Bestimmungsadresse nicht verfügbar. Dadurch wurde Zustellung verzögert.

Hä?!?, was für ein Service? Der Service, mir ein Paket zu liefern? Der Service, eine Unterschrift zu erhalten? Und nein, das Paket wiegt nur drei Kilogramm. Wer hat diesen Service gewählt? Wie lange verzögert?

Nur 38 Stunden später gab es ein Update:

Der gewählte Service ist für die Bestimmungsadresse nicht verfügbar. Dadurch wurde Zustellung verzögert. Die Zustellinformationen wurden falsch aktualisiert. Wir haben den Fehler korrigiert.

Äh, ja?!? Und wann wird nun das Paket geliefert?

Der Liefertermin wird schnellstmöglich bereitgestellt.

Nee, das Paket soll bereitgestellt werden, nicht der Liefertermin.

Wer jetzt meint, man könne über irgendeinen „Support“ etwas mehr erfahren, der bekommt folgende Information:

Sie sehen, was Kundendienstmitarbeiter mit Ihnen teilen würden. Wenn Sie mehr Unterstützung benötigen, verwenden Sie die Virtuelle Assistentin.

Man ahnt es: diese virtuelle Assistentin (wieso eigentlich kein Assistent?) zeigt, was mit heutiger Technologie möglich ist. Nämlich nur Bullshit. Im Zweifelsfall verweist diese auf die Seite mit dem „Sendungsstatus“. Garbage in, Garbage out.

Meine Lektion: ich meide strikt Händler, die diesen angeblichen Lieferdienst nutzen. Es ist ja nicht das erste Mal. In letzter Zeit war es jedes Mal. Da sind DHL, DPD, GLS, Hermes eine Ausgeburt an Kundenfreundlichkeit und Interaktivität.

Als Informatiker zeigt mir das sehr schön, wie sehr man bei aller Automation auf die natürliche Intelligenz der Menschen angewiesen ist. Wer meint, alles wegoptimieren zu können, hat einen echten Wettbewerbsnachteil.

Quasi zum Ausgleich habe ich auch diese Woche an der Software Zettel Social herumentwickelt. Wer genau hinsieht, bemerkt diese im Einsatz auf dieser Website. Drei kleine Dienste sind schon da. Auf einer Seite werden die schon länger implementierten User-Agents angezeigt. Auf einer anderen die übertragenen HTTP-Request-Header. Beides wird auch Teil des Fachs Softwaretechnik sein. Das mit den Headern wird zusätzlich ein Weg sein, um auf meinen drei Servern die SSO-Funktionalität der SSO-Software zu prüfen. Und zu guter letzt wird meine Blogroll nun direkt aus dem Export meines RSS-Readers gefüttert.

Aus diesem Kontext wird es auch wieder einige kleine Rätsel für meine Studierenden geben.

Unabhängig davon wird die Software Objekt des Studiums sein, d.h. die Studierenden sollte die Software etwas, ja, studieren. Als Beispiel für eine Web-Anwendung, als Beispiel für eine Software-Architektur, als Beispiel für …

Die SM-Szene darf auch diesmal nicht zu kurz kommen. Die Oberflächlichkeit dieser Medien zeigt sich am Osterwochenende in den kaum komisch, quasirituell, auch verzweifelt klingenden Posts zum Tanzverbot, zu bestimmten Filmen oder anderen Aspekten der persönlichen Machtlosigkeit.

Eine Lösung ist recht einfach: man überlege sich einmal, was man alles wirklich beeinflussen kann. Das ist erstaunlich wenig.

Sehr schön zum Thema, etwas von Epiktet (Handbüchlein der Moral, 28):

Wenn jemand dem Erstbesten auf der Straße deinen Körper überließe, dann wärst du wohl ungehalten. Dass du aber dem Erstbesten deinen Verstand überlässt, (...) dessen schämst du dich nicht?

Und zum guten Schluss nach gutem Brauch der gute Link der Woche: Can You Tweet Your Way to Impact?. Man darf X mutmaßlich durch jeden beliebigen Sadomaso-Dienst ersetzen.