Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 26.2.24

Das Wintersemester lag in den letzten Zügen. Deshalb gibt es einen Rückblick auf das Wintersemester 2023/4. Seit dem 1. März 2024 befinden wir uns im Sommersemester. Mal sehen, was es bringt.

Auf jeden Fall immer noch keinen (virtuellen) Server für die Lehre. Die Behörde ist dazu auch nach Monaten nicht in der Lage. Da wundert es mich nicht, dass es auch bei anderen Behörden & Co ähnlich läuft. So kümmert sich die Behörde um die angemessene Wahl von Pronomen, wohl um die eigentliche Kernaufgabe voranzutreiben. Vielleicht sollte ich so etwas wie Pluralis Majestatis für mein persönliches Pronomen wählen. Dann brauche ich auch keinen Server mehr. So wie in anderen Bereichen dann auch keine Arbeitsmaterialien benötigt werden. Siehe zum Beispiel der sehr endliche Munitionsvorrat einer Fregatte der Operation Aspides.

„Wenn man es gut geplant hat, gibt es keinen Grund zum Hetzen.“ – Thomas Shelby, Peaky Blinders, S2E06

„Dann musst du mit neureichen Menschen zusammenarbeiten.“ – etwas frei nach der gleichen Serie.

Jemand schreibt ins eigene Blog, dass der Austausch von Gedanken auf der Strecke bleiben würde. Witzigerweise die gleiche Person, die sonst immer im Sendemodus ist und Rückmeldungen anderer in weitem Bogen verwarf. Hat sich da ein Sinnesorgan gemeldet?

Eigentlich sollte ich langsam mit der neuen Software für das Agiles Studieren wirklich beginnen. Ausrede: der fehlende virtuelle Server. Aus lauter Prokrastination mit einer anderen Software begonnen: Zettel Social. Ursprünglicher Name war Zettelblog, aber das betont mir zu wenig den geplanten Aspekt der Integrations ins Fediverse, IndieWeb & Co. Wer will (oder sollte), kann die Entwicklung hier nachlesen.

Zettel Social ist ein Web-Server, der zunächst einmal nur statische Seiten ausliefert. Damit kann ich die Software hinter dem Server meines Hosters betreiben, der für mich die Ver- und Entschlüsselung via HTTPS übernimmt. So weit, so trivial, so nutzlos. Das war mein Ergebnis am Montag.

Am Dienstag ergänzte ich die Software um eine kleine Analyse bestimmter Metadaten, die bei jeder Anfrage auf eine Webseite übertragen werden. Konkret: User-Agent. Damit soll die Software angegeben werden, die eine Anfrage an einen Web-Server stellt.

Am Mittwoch gab es eine konfigurierbare Liste von Werten für User-Agent, bei denen die Anfrage abgewiesen werden soll. Wird kein Wert angegeben, dann liefert Zettel Social den HTTP-Statuscode 400 (Bad Request). Bei den meisten anderen nicht erlaubten Werten (z.B. Bots für frag-würdige Aktionen) wird leicht subversiv der Statuscode 429 (Too Many Requests) geliefert. Zudem änderte ich den inneren Aufbau der Software, hin zu mehr entkoppelten Komponenten.

Ja, Zettel Social kann zugleich ein Objekt des Studierens sein. Wie durch ein Wunder passt es wunderbar zu meinem Fach „Softwaretechnik.“ Wer die Prüfung schon bestanden hat, wird vieles Gelernte wiedererkennen. Die anderen haben ab Vorlesungsbeginn dazu Gelegenheit.

Am Donnerstag fügte ich die Möglichkeit hinzu, einige der bestehenden statisch generierten Seiten nun dynamisch zu erzeugen. Wenn man so will, habe ich die Datei robots.txt schon am Mittwoch ersetzt. Nun geht es um von Menschen zu erfassende Inhalte. Wie schon im Zettelstore wird HTML mithilfe von SxHTML generiert. Konkret habe ich erst einmal das Basistemplate für dieses Blog als Sx-Datenstruktur beschrieben, mit dessen Hilfe ich für eine Testseite SxHTML und daraus HTML erzeugen lasse.

In diesem Sinne wurde aus einem Prokrastinationsvorhaben dann doch etwas recht Nützliches. Und den Aufbau von Zettel Social kann ich auch wunderbar auf die geplante neue Software des Agilen Studierens übernehmen. Also nix mit Prokrastinieren. Das war höchst produktiv.

Am Freitag stellte Heinrich Kümmerle bei unserem beinahe noch wöchentlichen Kaffeegespräch (oder ist es ein Cafégespräch?) fest, dass all dies in früheren Zeiten meine Habilitationsschrift gewesen wäre. Als Habilitation noch bedeutete, zu zeigen, dass man Lehren kann. Heute ist die Habilitation nur eine Promotion auf Stereoiden. So bewege ich mich also auf guten Pfaden.

Freitag/Sonnabend überlegte ich, wie ich die Sx-Template besser als beim Zettelstore integrieren kann. Und da Sx de facto nichts anderes als ein Lisp ist, verbessere ich mein Verständnis von Lisp-Sprachen. Ach, der Kaninchenbau ist schön groß und kann noch lange erkundet werden.

Hmm, vielleicht sollte ich mehr über mein Sx, SxHTML & Co schreiben? Feedback is welcome, auch wenn es noch nicht über Zettel Social möglich ist. Noch nicht. Vielleicht beginne ich erst einmal mit meinen Abenteuern im Land der User-Agents.

Am Sonnabend gab es noch mit einigen anderen eine Fotosession auf dem hiesigen Marktplatz. Vorbereitungen für den Wahlkampf. Wer in der Stadt Heilbronn lebt und dort wahlberechtigt ist, darf nicht nur an der Europawahl teilnehmen. Ich selbst übe das passive Wahlrecht aus und bin zur zeitgleich stattfindenden Kommunalwahl als Stadtrat wählbar. Wie meinte Heinrich Kümmerle am Sonnabend? „Die Kandidatur erweitert den Horizont.“

Zum guten Schluss nach gutem Brauch der gute Link der Woche: Mit der KI das Bürokratiemonster bezwingen. Diese Idee von Bernhard Schloß hat es in sich: sinnlose Texte mit einer sinnlos textenden Software generieren. Vielleicht bekomme ich so meinen (virtuellen) Server? Zwinkersmiley