Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 19.2.24

Klausuren und Projektstudien bewertet, Noten eingetragen. Die Klausuren sind vernünftig bis gut ausgefallen. Bei Projektstudien gab es aber auch einiges an mehr Schein als Sein. Zum Fach Projektmanagement habe ich schon meine Retrospektive geschrieben. Der allgemeine Semesterrückblick folgt noch.

Wie auf Reflex gab es sogleich Anträge auf Prüfungseinsicht. Wenn man den Studierenden schreibt, dass es dazu von der Hochschule eine Regelung gibt, wird aus dem Reflex eine andere Einsicht. Diesmal konnte der Reflex in Minuten gemessen werden. Wie wohl der reflexartige Aufwand nach einer Prüfung im Verhältnis zur eigenen Vorbereitung steht?

Ob diese Art von Reflexen etwas mit den SM-Reflexen von letzter Woche zu tun haben? Niemand wird es erfahren.

Apropos Reflex. Mein Wort der Woche ist „Brandmauer.“ Gerne noch abgesichert mit einer „roten Linie.“ So viel Rhetorik ist selten. Zu viele scheinen sich an ihrer Rhetorik zu ergötzen und vergessen das Handeln.

Gilt auch Staatenweise. Seit nun zwei Jahren führt Russland mit seinen Verbündeten einen Angriffskrieg auf europäischem Boden, aktuell nur gegen die Ukraine.

„Keiner kommt hier lebend raus. Und du weißt es auch.“ (2raumwohnung)

Was mich an viel zu vielen Podcasts / Videos nervt: den Akteuren beim Denken zuhören zu müssen. Da lobe ich mir Texte. Ich will zu eigenen Gedanken kommen. Podcasts / Videos sind meist Unterhaltung, verkleistern das Denken.

Die Stadt Heilbronn sucht Kreative Ideen für die Innenstadt, in Form eines Gründerwettbewerbs. Offenbar haben die städtischen Bediensteten, insgesamt mehr als 3000 Menschen, entweder keine eigenen Ideen mehr oder deren Ideen sind nicht umsetzbar. Witzigerweise lautet der Titel der auf die Auschreibung folgenden Nachricht seitens der Stadt „Vorsicht, Kröten wandern wieder.“ Heinrich Kümmerle macht Verzweiflung aus. Ich sehe dahinter eher den Ansatz des Arbeitskreises: schon lange erkannte und beschriebene Probleme weiter ignorieren und Lösungen in die ferne Zukunft verschieben, dabei aber Geschäftigkeit vortäuschen. Schon seit Jahren gibt es Ideen und Ansätze, die sich in vergleichbaren Städten bewährt haben, die aber nur während des Wahlkampfes angesprochen werden, um mit der Karotte zu winken.

Apropos viel heiße Luft. Fefe schrieb mir über Forschung und Forschungsorganisationen aus dem Herzen. Die primäre Aufgabe von Forschenden scheint es zu sein, Forschungsgelder zu akquirieren. Erkenntnisgewinn ist zweitrangig, nein drittrangig. Davor kommt die Verwertung der Forschungsprojekte in „wissenschaftlichen Arbeiten.“ Man sieht das auch gut an den meisten Ausschreibungen. Es reicht nicht, eine gute Idee zu haben. Nein, man muss auch nachweisen, dass man in der Vergangenheit gute Ideen hatte und dass sich die aktuelle Idee innerhalb eines sehr begrenzten Zeitraumes umsetzen lässt. Als ich vor einigen Jahren das übliche Verfahren einer Person versuchte zu erläutern, meinte diese, sie würde sich ungern an dieser Form von Korruption beteiligen. Wie sieht es eigentlich mit der Forschung zu Blockchain aus? Letztens war eine Schlagzeile, dass die „KI-Rallye fast schon vorbei“ sei. Aber ja, es gibt auch wirkliche Forschung, mit guten Ideen und guten Ergebnissen. Nur meist nicht öffentlich gefördert.

Vor Verfahren her fand ich das des Aufrufes zu Freiräume 2025 beachtenswert. Von den eingegangenen Kurzanträgen (1500 Zeichen) werden 400 ausgelost, die sich dann im Detail bewerben können. Ich habe auch teilgenommen, mit einer Mischung aus Yoyod, Agiles Studieren und Zettelstore. Da mein Kurzantrag grob die Nummer 16.000 hatte, mache ich mir nicht zu viel Hoffnung, aber wer weiß. Gerade weil auch die Dummy-/Testanträge mitnummeriert wurden. Sehr lustig die Umfrage im Nachgang. Dort wurde u.a. gefragt, wie groß der Zeitaufwand für den Kurzantrag war und mit wie vielen Personen man sich abgestimmt hatte. Wertebereiche: 15 Minuten bis 20 Stunden oder mehr, bzw. 0 bis 10 oder mehr. 20 Stunden für einen Kurzantrag / Interessensbekundung, tss, ja, wenn man sich mit 10 Personen abstimmen muss. Dann ist aber vieles andere problematisch, bzw. konkret bürokratisch.

Beinahe hätte ich die Runde drei der Six Nations verpasst. Die ersten beiden Spiele fanden gestern statt, IREWAL und SCOENG. Heute kommt noch FRAITA dazu.

Gestern gelernt: im Mundschutz der Spieler ist ein Sensor, der die Stärke der Erschütterungen ermittelt. Ggf. wird dann der Spieler auf eine mögliche Gehirnerschütterung untersucht. Fortschritt durch Technik.

Zum guten Schluss nach gutem Brauch der gute Link der Woche: How to overcome Fetzenwissen: the illusion of integrated thought. Nicht nur wegen der schönen Worte „Fetzenwissen“ und „Verknüpfungszwang,“ die ich gleich in meinen Zettelkasten aufnahm.