Prof. Dr. Detlef Stern

Webseite agiles-studieren.de und DAS

Seit Oktober 2013 lehre ich in einem Fach mit der Methode Agiles Studieren. Dank eines Sabbaticals feiere ich also am Ende dieses Semesters ein kleines Jubiläum.

Inzwischen ist viel passiert, nicht nur auf der didaktischen Ebene.

Seit fünf Jahren wird die Website mit einer Software namens Hugo betrieben. Jedesmal, wenn ich diese aktualisiere, dann darf ich in den Eingeweiden herumbasteln. Nein, das ist kein darf, das ist leider ein muss. Zum Glück generiert Hugo statische Webseiten, so dass ich das Aktualisieren immer mal wieder aufschieben kann. Bis ich einen neuen Computer einsetze und dann doch leider aktualisieren muss.

Etwas länger setze ich eine selbst programmierte Software ein, um mir die Durchführung des Agilen Studierens zu erleichtern. Diese Software, DAS genannt (für: Das Agile Studieren), ist mit Hilfe von Python implementiert, intern nutze ich ein Web-Framework namens Django. Die Software besteht aus etwas mehr als 90 Python-Dateien und einigen anderen mehr. Um keinen Flohzirkus hüten zu müssen, eine falsche Datei kann zur Laufzeit große Probleme machen, nutze ich Docker als Verpackungstechnologie. Und da ich schon Docker nutze, hielt ich es irgendwann für eine grandiose Idee, damit auch meine Entwicklungsumgebung zu virtualisieren.

Jetzt, mehr als sechs Jahre später, halte ich das alles nicht mehr für eine so gute Idee. Ich habe gelernt, wie aufwendig es ist, eine Python-Software mit mehr als 13.000 Zeilen auf einem aktuellen Stand zu halten. Erschwert wird das durch inkompatible Änderungen der Basissoftware. Aber auch Hilfssoftware ändert sich alle 'nas lang. Das alles macht nur Arbeit, ohne dass ich die Software wirklich weiter entwickeln kann.

Python mag eine gute Sprache für Prototypen sein oder für Software, die immer in Bearbeitung ist. Aber kaum lässt man die Software etwas liegen, unsereiner hat auch noch einen Hauptberuf, schon muss ich locker einen Tag, eine Woche, einen Monat einkalkulieren, um überhaupt Änderungen durchführen zu können. Nicht gut.

Und dann kam ja noch der Cyberanfall dazu. Im Zuge der Aufarbeitung (immer noch nicht abgeschlossen) gibt es die gute und klare Anweisung, nur noch Software einzusetzen die regelmäßig aktualisiert wird. Sicherheitslücken und so. Zum einen muss ich damit einiges an Zeit für die Aktualisierung von DAS einplanen. Zum anderen wird seit Anfang diesen Jahres eine verwendete Software nicht mehr weiter entwickelt. Es gibt nur noch Aktualisierungen bei Sicherheitsproblemen und ähnlichen Dingen. De facto kann man diese Bibliothek (Bleach) zwar noch einsetzen, aber deren Zukunft ist sehr offen. Eine echte Alternative ist mir nicht bekannt. Und so hinge der Betrieb von DAS direkt an der Lebensdauer von Bleach. Von mir nicht beeinflussbar.

Zeit für einen Wechsel.

Wer dieses Blog liest, hat bestimmt mitbekommen, dass ich seit einiger Zeit an der Software Zettelstore herumprogrammiere. Das mache ich nicht in Python, sondern mit Hilfe der Programmiersprache Go. Go ist eine wohltuend langweilige Programmiersprache. Solide, stabil, verlässlich, ohne Flohzirkus. Funktioniert langfristig. Ich habe mal in einer Spielstunde eine uralte Version des Quelltextes vom Zettelstore restauriert und dieser konnte problemlos mit der aktuellen Version von Go übersetzt und zum Laufen gebracht werden. So muss das sein.

Hugo macht Probleme? Gut, seit gestern habe ich es durch den Zettelstore ersetzt. Das bedeutet: die Website https://agiles-studieren.de/ ist ein laufender Zettelstore. Alle Blogposts sind konvertiert. Gut, das Layout hat sich geändert. Leider auch die URIs der Posts, wie Heinrich Kümmerle das sofort bemerkte. Aber erst noch eine Adaptersoftware schreiben, das wollte ich nicht.

Und seit gestern beginne ich, eine neue Version von DAS zu implementieren. Sind natürlich noch erste Schritte. Intern nenne ich diese DASgo, womit die gewählte Programmiersprache wohl klar ist. Wer mir beim Programmieren quasi zuschauen will, kann sich den aktuellen Stand unter https://agiles-studieren.de/das/ gerne selbst ansehen.

Als kleinen Blick auf die Kulissen der Technik vielleicht noch dies. Bisher lief die Webseite https://agiles-studieren.de bei meinem Hoster Uberspace, den ich grundsätzlich empfehlen kann. Mir war aber die Einrichtung eine laufenden Zettelstores dort zu aufwendig. Zumal ich dort dann auch noch das für mich notwendige Fossil in Betrieb nehmen müsste. So läuft nun alles auf dem kleinen 1 €-Server eines anderen Hosters, auf dem schon alles zum Zettelstore läuft. Der virtuelle Server hat gerade einmal 418 MiB RAM (von denen gerade aktuell 190 MiB verfügbar sind). Small is beautiful.

Auf der neu eingerichteten Webseite https://agiles-studieren.de werde ich in Zukunft wohl etwas mehr schreiben, Zettelstore sei dank. Dort geht es dann, ganz nach Beta-art, nicht nur um die Didaktik der Lehre und um Semesterrückblicke, sondern auch um meine Überlegungen, wie ich die Software gestalten will. Vielleicht ist das nicht nur für meine Studierenden interessant.

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