Prof. Dr. Detlef Stern

Lange Wochen (im August / September)

Was tut so eine kleine Auszeit gut! Alle Prüfungen bewertet und die Noten ins Hochschulesystem gepfriemelt. Das Hochschulleben mit seinen kleinen Aufregern kommt zur Ruhe. Der Bildungsdisneylandcampus wird zum verlassenen Westerndorf. Hier und da tröpfelt eine Mail herein, und zu deren Beantwortung kann man sich Zeit lassen.

Viel wichtiger ist mir aber: ich kann sich meine Termine selbst planen, muss nicht externe Vorgaben umsetzen. Auf Neudeutsch nennt man das wohl Zeitsouveränität. Zwar habe ich auch zu Vorlesungszeiten einiges davon, aber leider nicht tage- oder gar wochenweise. Dann will die Hochschulbürokratie gefüttert werden. Die Inhaberinnen (und Inhaber) der ganzen Stabs- und Sonderstellen müssen ihre Existenz rechtfertigen, böse formuliert. Die Bürokratie rülpste und fiel in einen Urlaubsschlaf. Finally.

So konnte ich am Zettelstore arbeiten. Wobei, kann das Arbeit sein?

Die Suchfunktionalität entwickelt sich auch nach dem Release der Version 0.6 gut. Man kann auch Zettel selektieren, die bestimmte Metadaten und abhängig vom Wert besitzen (oder nicht besitzen). In den letzten Tagen schreibe ich an einer Erweiterung der Suchspezifikation, so dass man angeben kann, was mit den Ergebnissen passieren soll. Natürlich sind das keine Turing-vollständigen Anweisungen, eher ein Aggregieren auf Metadatenebene. War bisher die Ausgabe der Schlagworte eine separate Funktion, so kann man nun über eine Suche filtern und dann die enthaltenen Schlagworte ausgeben. Entsprechendes galt für die Liste der verwendeten Rollen an Zettel. Mit dem gleichen Mechanismus funktioniert aber zusätzlich eine Aggregation nach verwendeter Zettelsyntax oder Sichtbarkeit von Zetteln. Natürlich kann man auch diese Ergebnisse in einen anderen Zettel per Transklusion einbetten.

Über den gleichen Mechanismus wird man auch Daten als RSS (und vielleicht Atom) ausgeben können. Damit wird der Zettelstore zu einer kleinen Bloggingsoftware. Denn so wie ein Podcast, der nur auf Spotify, Apple & Co veröffentlicht wird, kein Podcast ist, ist ein Blog ohne RSS kein Blog. Verwendet man für Blogpost zum Beispiel Zettel mit der Rolle „blogpost“, dann erhält man die letzten 10 Posts als RSS mit einem Befehl der Art role:blogpost LIMIT 10 | RSS. Stay tuned.

Wie schon im letzten Post angekündigt, habe ich Pikchr in den Zettelstore integriert. Damit lassen sich technische Graphiken erstellen. Das habe ich gleich für einige Vorlesungsunterlagen ausprobiert. Da gibt es noch die eine oder andere raue Stelle, aber das bekomme ich hin.

Ansonsten bin ich ein wenig im südlichen Schwarzwald spaziert oder habe einen Uferabschnitt am Ammersee genossen. Teilweise mit digitalem Minimalismus, d.h. nur mit Mobiltelefon bewaffnet. Deshalb läuft der Zettelstore nun dort auch, selbst Offline, synchronisiert die Zettel mit den anderen Geräten.

Vor Aufbruch in die genossenen Gefilde habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine automatische Abwesenheitsantwortmail eingerichtet. Klappte zunächst natürlich nicht mit der hochschuleigenen Webschnittstelle, aber dann doch mit dem Mailclient. Und weg war mein schlechtes Gewissen, nicht innerhalb meiner SLA meinen antworten zu müssen. In Zukunft werde ich dies wohl in jeder vorlesungsfreien Zeit aktivieren.

Natürlich habe ich ab und an mal meine Mails abgerufen. Aber ich konnte für mich freier entscheiden, ob ich zeitnah antworten will oder erst ab kommenden Dienstag.

Denn das neue Semester hat schon begonnen, wenn die Vorlesungszeit erst Ende des Monats beginnen wird. Im Wintersemester veranstalte ich u.a. das Bachelorkolloquium. Da einige Studierende im Wintersemester mit einem Masterstudium beginnen wollen und deshalb die Note für das Kolloquium eher benötigen, habe ich diese Veranstaltung schon mal in unserem Lehrmanagementsystem eingerichtet, mitsamt Dokumentation notwendiger Daten / Aktionen. Bemerkenswert war die Lesekompetenz mancher, die ihre Ergebnisse der Abschlussarbeit vorstellen wollen. Oder die eine Abschlussarbeit beginnen wollen. Hoffentlich werden die Berichte nicht zu subjektiv.

So wirft das Wintersemester seine ersten Schatten. (Hmm, dann muss da ja auch irgendwo Licht sein.) Das Kolloquium veranstalte ich mit einer neuen Kollegin, die zunächst als Kollege avisiert wurde und selbst intern gerade mal gestern in einem Nebensatz einer WebEx-Nachricht erwähnt wurde. Aber wer sagt, dass an einer Hochschule interne Kommunikation möglich ist. Bei den ganzen Fürst:inn:en und dem notwendigen Flurfunk.

Aber immerhin kann ich die relative Ruhe der nächsten Woche hoffentlich etwas geniessen, bevor dann der Hochschulbetrieb langsam hochgefahren wird. Vielleicht wacht ja die Bürokratie nicht so schnell auf. Man wird ja noch träumen dürfen, oder?