Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 4.7.22

Zwischenzeit. Keine Vorlesungen mehr. Noch keine Prüfungszeit. Die Spannung steigt, bei den Studierenden. Ich habe Termine für drei Berufungskommissionen. Wie geschaffen für eine lange Woche.

Montags geht es an den bisherigen Standort, nicht an den Bildungsdisneylandcampus. Da durfte ich mit externen Profis arbeiten. Konzentrierter Spaß, Fragen, Antworten, meist Vergangenheit, etwas Gegenwart und Zukunft. Danach bin ich knille, aber nicht so wie bei einer Fakultätsratssitzung. Für etwas Herumschrauben am Zettelstore reicht es. Da wird es demnächst eine neue Version 0.5 geben. Vorher muss ich das darauf aufbauende Präsentationsprogramm so umstellen, dass HTML nicht mehr auf Basis von JSON, sondern mit Hilfe der S-Expressions generiert wird.

Version 0.5 interessiert bestimmt auch Heinrich Kümmerle. Er hat wohl das Konzept des Verzettelns gegrokt und will einen neuen Start wagen. Einen passenden Server hat er schon. Und da ich für Anwender Wünsche erfülle, auch wenn diese das Bedürfnis erst in Zukunft haben werden, baue ich noch etwas am Zettelstore.

Mittwoch trafen wir uns nach recht langer Zeit mal wieder persönlich. Was Männer bei Kaffee so alles besprechen. Zettelstore, auch seine Frau will dort mitspielen. Was das mit der langen Woche bedeutet. Daraus entwickelte sich ein Gespräch über Buchtipps. Auch mit dem Konzept von Delta Chat konnte er sich anfreunden. Wir haben gleich mal das mit dem QR-Code ausprobiert. Bloggen mit dem Zettelstore. Bis hin zur Rettung von Vereinen. Männer und ihre Kaffeegespräche.

Im Nachgang überlegte ich mir, ob man den Zettelstore nicht einmal mit einem Mailclient verknüpft. Dann kann man sich Zettel mailen. Ist vielleicht etwas für eine Projektstudie. Still digging.

Bei zwei der drei Berufungskommissionen waren wir erfolgreich. Im Sinne, dass es eine Liste mit Kandidaten gibt. Ich finde es frustrierend, als Hilfsorgan der Hochschulleitung zu arbeiten, denn diese behält sich vor, auf Basis eines weiteren Gespräches die Reihenfolge festzulegen. Dann kann man sich beinahe die Berufungsvorträge ersparen und sich auf die Papierform verlassen. In einem Gespräch haben Blender:innen gute Chancen. Kenne ich auch aus meinem Vorleben als jemand, der andere einstellen sollte. Was wohl passiert sein muss, dass die Hochschulleitung den Berufungskommissionen nicht mehr „traut“? Wie üblich hat wohl jemand ziemlich viel Blödsinn gemacht und nun müssen alle anderen dafür ebenfalls leiden, damit sich der Blödsinn nicht wiederholt. Tut er auch nicht. Gibt dann neuen Blödsinn und das Spiel beginnt von vorne. Und die Bürokratie wächst. Seufz.

Am Freitag hatten einige Studierende und ich unsere erste Klausurprüfung in dieser Saison. Deshalb bot ich an, am Dienstag eine Online-AMA-Session an. Von 70 angemeldeten nutzen immerhin etwa 25 Studierende dieses Angebot. Einige hatten sich sogar vorbereitet. Die Session lief so lange, wie noch Fragen gestellt wurden. Insgesamt mehr als drei Stunden. Dann waren auch nicht mehr alle dabei. Ich hoffe, für die Klausur hat es geholfen.

Ja, Freitag, Klausur. Als ich meinen Fahrradabstellplatz am Bildungsdisneylandcampus ansteuerte, bemerkte ich, dass ich meine Einlasskarte zu Hause vergessen hatte. Ohne kommt man nicht einmal in sein Büro, auch nicht in die Räume für die Klausur. Zeit zum Holen gab es nicht. Zum Bringen reichte es auch nicht, da ich die Karte gut versteckt hatte. Zum Glück kam zeitlich gut passend jener Mitarbeiter vorbei, der eine Universalkarte besitzt. Puh. Auf jeden Fall war auch bei mir der Stresslevel recht hoch, nicht nur bei den Studierenden. Aber der Ablauf der Klausur war sichergestellt, keine Sorge.

Von den 70 angemeldeten waren dann doch 57 anwesend. Das freute eine Aufsicht ob des leeren Prüfungsraumes. Manchmal würde ich wissen wollen, was Ärzt:inn:e:n mit welcher Diagnose auf Atteste schreiben, aber eigentlich dann doch nicht. Studierende sind erwachsene Menschen. Der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen ist, dass letztere die Konsequenzen Ihres Handelns oder Unterlassens tragen können, wollen, müssen, dürfen.

Sehr nett auch das Gespräch nach der Prüfung mit einer Aufsicht. Es ging recht schnell um fachliches, aber auch um die Schwere der Klausurprüfung. Zwar war die Person grob fachlich eingearbeitet, aber nicht im Detail. Trotzdem meinte sie, dass die Klausur in einem Drittel der notwendigen Zeit erfolgreich absolviert werden kann. Mal sehen, ob sich das bei der Bewertung widerspiegelt. Und wenn nicht, wie mögliche Erklärungen dann aussehen.

Aber das ist Zukunft. Und wie jede Zukunft im Konjunktiv zu sehen.

Man weiß nicht einmal, ob es nächste Woche eine lange Wochen geben wird.