Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 20.6.22

So langsam nähert sich die Vorlesungszeit dem Ende. Vorletzte Woche, um genauer zu sein. Manche beginnen erst jetzt mit den Vorbereitungen für die Klausuren. Die eine oder andere Abschlusspräsentation findet statt. Terminlich wird alles etwas enger.

All das ist seit Jahrzehnten bekannt und trotzdem für viele überraschend. Da werden jede Menge dienstliche Veranstaltungen in genau diese letzten zwei Wochen gelegt. Als ob Studienkommissionen dann noch etwas sinnvolles besprechen können. Handeln kann man nicht. Und so durfte ich an zwei dieser Sitzungen teilnehmen. Und am Freitag fand die „Nacht der Wissenschaft“ auf dem Bildungsdisneylandcampus statt, parallel zu einem Konzert einer bekannteren Gruppe, dem hiesigen Lichterfest und so manch einer Lehrveranstaltung, mutmaßlich auch mal mit Abschlusspräsentation.

All wäre all das nicht genug, installierte und prüfte der Betreiber des Bildungsdisneylandcampus nun endlich einmal die Sprechanlage, wie auch die für einen Alarm. Und so geräuscht die ganze Zeit aus den überall installierten Lautsprechern etwas, das manche als Musik bezeichnen könnten, schlimmer als die im Fahrstuhl oder der Dudelfunk im Radio. War wohl ein Dauertest. Bis Dienstag „nur“ auf den Fluren, am Mittwoch auch im Büro. Immerhin (noch?) nicht in den Vorlesungsräumen. Dafür gab es am Donnerstag eine Räumungsübung.

Vermutlich ist dem Betreiber des Bildungsdisneylandcampus nicht klar, wie in einer Hochschule gearbeitet wird, welche Termine auch für Studierende wichtig sind. Wenn man schon knapp drei Jahre auf die Prüfung so einer Anlage wartet (zur Erinnerung: in Zeiten der Notfallonlinelehre waren die Gebäude unbenutzt), dann doch bitte nicht in den letzten Wochen der Vorlesungszeit (und auch nicht während der Klausuren).

Als ich am Mittwoch den zuständigen Mitarbeiter bat, dafür zu sorgen, dass in meinem Büros das Gedudel ausgeschaltet wird, hatte das teilweise Erfolg. Nun brummt es irgendwo, ob aus dem Lautsprecher oder der Klimaanlage. Und ich dachte schon, die Entwicklung von Software sei zu häufig planlos chaotisch. Generation Game Boy.

Für nächste Woche ist übrigens eine Fakultätsratsitzung geplant und zwei Tage später der „Tag der Lehre“, parallel mit dem Sommerfest der Hochschule. Ein Schelm, der darin eine Bewertung des Tags der Lehre sieht. Apropos Lehre, es finden nächste Woche auch einige reguläre Lehrveranstaltungen statt, wirklich.

Aber es gibt auch Positives zu berichten.

Wir im Studiengang, konkret in Person einer Mitarbeiterin und meiner einer, betreuen seit einigen Jahren Projekte des Berufskollegs Wirtschaftsinformatik der hiesigen Gustav-von-Schmoller-Schule. Im Abschlussjahr arbeiten die Schüler:inn:en an IT-nahen Projekten, diesmal weiter an der Ehemaligenseite, deren Betrieb, sowie an einer App für mobile Endgeräte „Schüler helfen Schüler“. Am Dienstag waren wir zur Abschlusspräsentation eingeladen. Recht nett, was geschafft wurde und auch präsentiert werden konnte. Vielleicht beginnt die eine oder der andere in den kommenden Semestern ein Studium im Studiengang. Natürlich wurde mir Gelegenheit gegeben, dafür etwas Werbung zu machen. Kam wohl gut an.

Auf einer zunächst eher privaten Ebene experimentiere ich etwas mit Delta Chat, einem Messenger auf Mailbasis. Ich hatte das Thema immer vor mir hergeschoben, aber dann war die Einrichtung in meiner Umgebung dann doch sehr einfach. Besonders im Vergleich zu den meistens Mailprogrammen. Mal sehen, vielleicht nutzt es auch Heinrich Kümmerle etwas länger.

Relevant könnte das Thema für das nächste Semester werden. Ich suche immer nach Themen für mein Seminar. Dieses Semester war das Universum von „The Expanse“ dran. Die ersten Abschlusspräsentationen am Mittwoch waren schon mal nicht schlecht. Aber in welchem Kontext sollen die Studierenden nächstes Semester zu bearbeitende Problemstellungen suchen? Delta Chat? Vielleicht. Da gibt es wirklich nette Erweiterungen, die gut zu dem von mir vertretenen Schwerpunkt passen. Oder doch über GEB und Delta Chat in einer Projektstudie?

Aber erst einmal gilt es die letzte lange Woche dieser Vorlesungszeit zu überstehen, mit allen sinnvollen und frag-würdigen geplanten Terminen. Auf die Abschlusspräsentationen im Seminar und den Projektstudien freue ich mich. Und danach habe ich vielleicht sogar Zeit, um etwas mehr inhaltlich zu arbeiten, Zettelstore, Agiles Studieren, Small Web, Offline First, …