Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 23.5.22

Auch diese Woche war recht kurz, nicht nur gefühlt. Lag wohl am Feiertag. Aber die lange Woche heißt ja nicht so, weil die Woche lang war. Das lange bezieht sich auf etwas grundsätzlich anderes, falls das jemand interessiert.

Montag begann, wieder einmal, die gemeinsame Arbeit an einer neuen Studien- und Prüfungsordnung für den Bachelorstudiengang. Gerade eben stolperte ich beim Löschen von alten Mail über die des Vorvorvorstudiengangleiter, in der er uns vor drei Jahren zu einer solchen Besprechung einlud. Nun ist es nicht so, dass unsere bisherige Studien- und Prüfungsordnung ungenügend wäre. Gerade durch unsere Absolventen erfahren wir, wie relevant unsere Studieninhalte sind. Aber auch etwas Gutes kann noch verbessert werden.

Die Sitzung selbst, es war ja WebEx-Montag, lief online ganz gut und recht produktiv. Es haben sogar alle ihre Hausaufgaben gemacht, so dass diesen Montag einer weiteren produktiven Sitzung nichts entgegensteht. Das Studium soll grundständiger und hier und da auf unseren Master abgestimmt werden. Und trotzdem soll es kein Wald-und-Wiesen-Wirtschaftsinformatikstudiengang werden. Sondern einer mit USP und Special Effects.

Auf den Dienstagvormittag freute ich mich schon vorab, denn es war ein Gastvortrag über die Besonderheiten von Kundenprojekten geplant. Der Gastvortrag kam ganz gut an, sogar ich konnte einiges lernen. Die Studierenden wohl auch. Zumindest jene, die sich hinterher noch Zeit nahmen, diesen mit mir zu reflektieren. Diese bemerkten die Relevanz der Lehrveranstaltung „Einführung in das Projektmanagement“ nicht nur aus theoretischer, sondern auch aus praktischer Sicht. Ein WIN-WIN-WIN, offensichtlich. Auch der Gastvortragende berichtete im Nachgang von einigen Studieren, die sich bei ihm gemeldet hatten.

Obwohl, der Dienstag ging „gut los“ als dass ich hoffte, den kleinen Regenschauer auf dem Fahrrad vorwegfahren zu können. Bis sich dieser, an der einzigen Stelle ohne Unterstellmöglichkeit, als windiger Regenschwall entpuppte. Paddelnass kam ich an der Hochschule an. Mit Schwund muss man beim Radfahren rechnen. Immerhin hatte ich so etwas wie eine Ersatzhose dabei.

Am Tag darauf hatte ich sogar ein Handtuch dabei, Ja, es war der 25.5, #TowelDay. Am Bildungsdisneylandcampus lief natürlich niemand mit Handtuch. Es lag aber nicht daran, dass dort hauptsächlich BWLler studieren und lehren. Auf eine Nachfrage hin, gab es selbst am Campus der Informatik-Fakultät niemanden mit Handtuch, außer des einen Kollegen. Immerhin hat ihn jemand auf seiner Fakultätsratssitzung gefragt, ob er ein intergalaktischer Reisender sei. Und immerhin wusste bei mir im Seminar jemand, was dies mit dem Handtuch zu sagen hatte. Vier weitere nickten nach einer kleinen Erinnerung wohl wissend. Liegt vielleicht auch daran, dass viele nicht einmal einen Roman der fünfbändigen Trilogie gelesen haben. Wo das doch fast Pflichtlektüre sein müsste. Heinrich Kümmerle meinte, dass ich eine falsche Erwartungshaltung besässe. Er ginge doch auch nicht zur McDonald’s und erwarte dort ein Boeuf Stroganoff. Zu intensiv widersprechen könnte ich wohl nicht in Richtung CA.

Das Handtuch war natürlich eines vom HSV, der immerhin am Montag die Relegation verloren hat. Denn immerhin war der dritte Platz in der meist recht spannenden Liga herausgesprungen. So gab es etwas Mitgefühl der Studierenden. Manche haben nämlich begriffen, dass die Nähe zu einem bekannten Verein nicht auf Basis der Erfolge bestimmt wird, sondern weil die Niederlagen „schmerzen“. Dabei bin ich kein Fanboy und erhoffe mir davon auch keine moralische Überlegenheit.

Als jemand, der im Norden Deutschlands geboren wurde, gehöre ich mit meinen 185 cm Körperlänge hier im Süden zu den längeren Menschen. Während ich in einer Einkaufszone in Hamburg eher auf Hinterköpfe sehe, schaue ich hier eher über die Menschenköpfe hinweg. So ist es nicht verwunderlich, dass ich beim Radfahren an bestimmten Stellen aufpassen muss, nicht in einen Aststumpen zu fahren. Hiesige städtische Gärtner können sich wohl nicht vorstellen, dass jemand mit dieser Länge an jenen Stellen Rad fährt. Aber wir alle werden älter und angeblich schrumpft man ab einem gewissen Alter.

Das Seminar lief wieder einmal recht gut. Die Studenten stellten einander gute, kritische Fragen zu ihren Präsentationen. Jeder traute sich etwas zu fragen, zu bemerken. So soll ein Seminar sein: eine Diskussion.

Die geplante Betreuung der berufsbegleitenden Thesis verschiebt sich wohl ein wenig. Das Unternehmen des Studenten möchte so etwas wie einen Sperrvermerk. Wann wohl auch dieses Unternehmen bemerkt, dass diese de facto sinnlos sind?

Tja, und am Mittwochmittag war die Woche vorbei. Ob zum dem Informationstermin, zu dem erst am Montag geladen wurde, viele erschienen? So gut wie jede:r wollte den vorlesungsfreien Freitag für private Zwecke nutzen und die Vorlesungen enden Mittwochs am Mittag. Immerhin gab es ein Protokoll. Immerhin mit einem ersten Indiz, dass auch die anderen Beteiligten an einer Hochschule das tun könnten, was von den Studierenden gefordert wird.

So nutze ich, neben vermutlich vielen anderen, das verlängerte Wochenende von mittwochnachmittag bis zum morgigen Sonntag für eher undienstliche Zwecke.

Die nächste Woche wird etwas länger. Aber die lange Woche heißt ja nicht so, weil die Woche lang sein wird. Das lange bezieht sich auf etwas grundsätzlich anderes, falls das jemand interessiert.