Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 9.5.22

Diese Woche war gefühlt recht kurz. De facto musste ich vieles nacharbeiten, was in der letzten Woche wg. der dienstlichen Besprechungen und Sitzungen liegen blieb. Aber die lange Woche heißt ja nicht so, weil die Woche lang war. Das lange bezieht sich auf etwas grundsätzlich anderes, falls das jemand interessiert.

Montag ist WebEx-Tag. Viele Besprechungen. Betreute Thesis. Dann geplantes Thesisvorhaben. Dann ein netter Schnack zu möglichen Kooperationen (und gänzlich anderen Befindlichkeiten). Mittagspause. Abstimmung zu einem On-the-Job-Projekt im berufsbegleitenden Master. Mails sind liegen geblieben, aber noch halte ich mein Mail-SLA ein. Grundidee für neue SPO überlegen. Und als kleines Schmankerl einige Fehler in meiner kleinen Bibliothek zu S-Expression behoben. Etwas Softwareentwicklung muss sein.

DiMiDo sind die Lehrveranstaltungen angesagt. Da die Studierenden letzte Woche meine Lehrveranstaltungen evaluiert hatten, besprechen wir diese Woche die Ergebnisse. Auch diesmal frage ich mich, wer diese Evaluationen mit welchen Annahmen und welchen Fähigkeiten realisiert hat. Warum nicht die klassische Methode mit zwei Teilen: erstens eine Benotung von 1–10, mit 7 als Mittelwert und zweitens einer Begründung für diese Benotung. Wahrscheinlich will jemand dort etwas vergleichen, was sehr schwer verglichen werden kann.

In Projektmanagement gab es dadurch eine sehr schöne Diskussion über Open-Book-Klausuren (ich wollte wissen, was dagegen spricht), Tipps zur Klausurdurchführung und den Appell, am Studium aktiv teilzunehmen. In den anderen Fächern gab es ebenso Feedback zur Evaluation.

Auf einer Metaebene fragte ich mich auch diese Woche, wozu Hochschulen existieren. Um in Evaluationen gut auszusehen? Das entspräche der Frage, warum man studieren sollte? Um gute Noten zu bekommen?

Sind Hochschulen dazu da, das Studium zu ermöglichen? Sollen Studierenden, Mitarbeiter, Professoren den Hochschulen Renommee verschaffen? Oder sollten Hochschulen sich darum kümmern, dass Studierende studieren können, Professoren und Mitarbeiten Ihre Lehr- und Forschungstätigkeiten ausüben können? Was ist das Primat?

Apropos Primat.

Die Hündin kommt seit neuestem immer beim Wasserkochen vorbei, damit ich mit ihr spiele. Übrigens egal, welchen Wasserkocher ich wo verwende. Das sind dann für uns beide einige Minuten des Tobens, Tollens, Werfens, Wühlens. Und wenn der Wasserkocher signalisiert, dass das Wasser heiß genug ist, dann ist auch gut damit.

Manchmal denke ich mit ein wenig Wehmut an die virtuellen Treffen der Zettelkastenrunden zurück. Zunächst als inoffizielle AG Zettelkasten mit zwei anderen Kollegen aus meinem Studiengang gestartet, funktionierte diese für ca. 10 Treffen in einem erweiterten Kreis, einer kleinen illustren Runde. Jeden Monat brachte jemand ein interessantes Thema mit, manchmal ein wenig von mir angestuppst. Es gab interessante Diskussionen, von den sehr unterschiedlichen Teilnehmern, nun dem Kollegenkreis entwachsen. Via Twitter äußerten einige wiederholt Interesse an der Teilnahme. Dann ging es in die Weihnachtspause.

Und dann?

Nichts.

Eine Person schrieb mir, dass sie sich für ihr eigenes Wissensmanagement nun anders orientieren will. Eine andere hatte Terminprobleme.

Sonst?

Schweigen.

Natürlich nehme ich das nicht persönlich. Es belustigt mich eher. Menschen, die sonst so viel über die Ernsthaftigkeit ihrer Tätigkeiten reden und schreiben, trauen sich nicht, einen Interessenswechsel zu kommunizieren. Selbst die Interessenten haben sich nicht gewundert, dass die Runde nicht mehr stattfand.

Strange World.

Was war noch? Ach ja, Barcamp Heilbronn. Eventbasierte Ernsthaftigkeit für Extrovertierte. Vermutlich haben deshalb einige meinen Tweet am Freitag zum Thema nicht verstanden.

Wenn ich mir die geplanten Sessions für das heutige #bchn22 ansehe, bereue ich meine Entscheidung zumindest für heute nicht 8-/

Auch ich mache ab und zu mal ein paar Kompetenzübungen.

Trotzdem mussten alle dort per Konstruktion ihren Spaß gehabt haben. So ist das nämlich auf (Cargo-Cult-) Barcamps.

Morgen werde ich sehen, wie sich der HSV geschlagen hat. Zwei, drei oder zum vierten mal vier.

Inzwischen werde ich mit Frau und Hund etwas wandern. Nennt sich bei uns Star-Trek.