Prof. Dr. Detlef Stern

Die lange Woche vom 28.3.22

Diese Woche war Hochschuldienst angesagt. Einige Termine für eine der drei Berufungskommissionen, denen ich aktuell angehöre. Unabhängig vom Inhalt eine schöne Gelegenheit mit Kolleg:innen (die ohne Anführungszeichen) zu sprechen, zu flachsen, sich auszutauschen. Auch mit Studenten (Studentinnen waren nicht dabei) oder Fachbeiratsmitglieder. So oder so gab es diese Woche viel Bestätigung, was auch mal guttut.

Wie z.B. der Vorsitzende unseres Fachbeirats, der zugleich Lehrbeauftragter für eine Projektstudie im 4. Semester ist, und mir nebenher erzählt, dass die problematischen Teilnehmer:innen diejenigen sind, die bei mir das Fach „Einführung in das Projektmanagement“ (2. Semester) noch nicht bestanden haben. Diese Botschaft an mitlesende Studierende ist wohl klar. Für mich ist es eine Bestätigung, dass die von mir gelehrten Inhalte ziemlich relevant sind, auch unter Aspekten der beruflichen Praxis.

Der Montag und heutige Sonnabend waren auf Grund einer recht gut gelungenen Thesis ebenfalls erfreulich. Diese wurde zusammen mit einer der Leuchtturmuniversitäten durchgeführt. In der Bewertung der Arbeit gab es keine Unterschiede mit dem anderen Gutachter. Wen es interessiert: am Montag habe ich die Ereignisse zum Anlass genommen, den Bereich über Abschlussarbeiten auf den neuesten Stand zu bringen. Neben der schon angesprochenen Masterthesis sind auch einige andere interessante Arbeiten dabei, sogar häufig in einer offenen CC-Lizenz. Liegt vielleicht auch an der legendären Betreuung™.

Ich muss mir mal überlegen, wie ich die Seminaristen dazu bekomme, sich die Basisliteratur anzulesen / -sehen. Gibt es ja selbst als Bewegtbild. Selbst in der dritten Vorlesungswoche, also nach zwei Wochen Vorbereitungszeit hat das gerade ein Drittel der Anwesenden getan. Kein Wunder, dass man kaum relevante, wissenschaftlich zu bearbeitende Probleme identifizieren kann. Wer auf Basis von Hörensagen kann man kaum relevante Hypothesen aufstellen. Das sollte Gegenwart und Vergangenheit mehr als genug gezeigt haben. Nun gut, bessert sich hoffentlich.

Ungeachtet dessen wäre ich froh, wenn bei sonstigen Aktivitäten in einer Hochschule ähnlich vorgegangen wird, wie wir es beim wissenschaftlichen Arbeiten von unseren Studierenden verlangen. Mir ist klar, dass Wissenschaft und Politik nicht zu viel gemein haben. Trotzdem wäre es schön, wenn es Wissenschaftler in leidender Position versuchen würden.

Erfreulich: der Videostream zum 43. Kongress der D.O.N.A.L.D., u.a. mit wirklich relevanten Forschungsergebnissen. Bin zwar kein Mitglied, aber Sympathisant. Wie bei anderen Vereinen. Der einzige Verein, bei dem ich Mitglied bin, ist darüber nicht immer froh. Aber dort drehe ich den Groucho Marx um ;)

Immer wieder süß, auf ein verlassenes Trello-Board oder ein vergessenes Wiki zu stoßen. Ist wie Archäologie: was hatten die Leute „damals“ (z.B. vor einem Jahr) für hochtrabende Ideen und Umsetzungspläne. Nun pfeift der Wind die Dornenbüsche dort durch. Ist fast so, wie auf einen „alten“ Zettel zu stoßen, in dem ich etwas über den damals geplanten Zettelstore dokumentierte. Mit dem Unterschied: der Zettelstore existiert.

Heinrich Kümmerle probiert immer mal wieder auf vielen technischen Wegen herauszubekommen, wer alles seinen Blog liest. Übrigens gerade in diesen unseren Zeiten schreibt er sehr lesenswert. Für manche dieser technischen Wege muss ich als informeller Datenschutzbeauftragter eingreifen, bevor diese umgesetzt werden. Dabei ist es ganz schön, im Gespräch zu erfahren, dass jemand (m)einen Blog ab und an liest. Diesmal ein Kollege, ohne Anführungszeichen. Viel schöner, als mit Neugiertools a la Matomo oder das böse G. Analytics.

Was nervt: Softwareankündigungen, die damit werben mit Hilfe einer bestimmten Programmiersprache realisiert worden zu sein. Es mag sein, dass eine Sprache es leichter machen kann, schnell ablaufende oder speicherarme oder „sichere“ (was auch immer das sein soll) oder verteilt arbeitende Software zu programmieren. Wie auch Bohrmaschinen bestimmter Hersteller „besser“ als andere sind. Wobei niemand sagt, dass ein Klettergerüst deshalb besonders sein soll, weil die Löcher mit Bohrmaschinen dieser Marke entstanden. (Ja, ich weiß, Vergleiche hinken, selbst der Vergleich mit hinkenden Vergleichen.)

Frisch entdeckt: mein eBook-Reader besitzt nun auch eine App, damit ich Bücher meiner Stadtbibliothek ausleihen kann. Gilt auch für andere Bibliotheken, welche den gleichen Dienstleister nutzen. Die Apps für i(Pad)OS und Android waren mir bekannt.

Die in den letzten Woche angeschriebenen Probleme mit Abhängigkeiten von Softwarepaketen (Stichwort: Helikoptereltern) werden nun auch von anderen adressiert. Falls jemand sich für Softwaretechnik interessiert (und sei es zwangsweise): How security is handled by package maintainers, What curl expects from dependencies, How Go Mitigates Supply Chain Attacks.

In den ersten Vorlesungswochen passiert immer recht viel. Es wird auch wieder langweiliger. Dafür sind bei mir die Perversitäten der äußeren Welt auch diesmal in den Hintergrund gerutscht.