Prof. Dr. Detlef Stern

Drei lange Wochen vom 11.7.22, 18.7.22, 25.7.22

Pause. Keine Vorlesungen mehr. Prüfungszeit beendet. Die Spannung steigt, bei den Studierenden. Denn noch ist Zeit, die Prüfungen zu bewerten. Das akademische Leben nähert sich seinem schläfrigen Höhepunkt. Wie geschaffen für eine lange Woche.

Ja, viel ist nicht passiert, in diesen drei Wochen. Zumindest nicht, was berichtenswert sein könnte. Darunter eine Woche Fastauszeit. Aber das wiederum könnte berichtenswert sein.

Während die Vorlesungszeit für uns alle einen wöchentlichen Rhythmus vorgibt, werden aus dieser Taktung in der Prüfungszeit einige Ereignisse, die danach auch langsam ausklingen. Langsam beginnt die Zeit, den eigenen Rhythmus zu finden. Gemeinsames findet nicht mehr groß statt.

Rückblickend ist es am Ende eines jeden Sommersemester lustig traurig, wie dann noch Pläne intensiv geschmiedet werden. Parolen wie „Wir müssen das zügig angehen“ sind spätestens vier Wochen nach Ende der Vorlesungszeit vergessen. Sende ich dann etwas Feedback, so muss dessen Verarbeitung beim Empfänger bis kurz vor dem Vorlesungsbeginn warten. Spätestens dann habe ich die Gründe für mein Feedback vergessen. Um dann wieder keine Termine finden zu können, denn dann ist ja wieder, hmm, Vorlesungszeit, jede:r mit anderen Präsenzzeiten. Und alles beginnt von vorn, wenn nicht jemand die Nerven verliert und einen Alleingang startet, dem die anderen mangels Alternativalleingängen zustimmen. Nun ja.

Meine drei Wochen waren geprägt von der Vorbereitung auf eine Besprechung mit den Auftraggebern unseres kleinen Forschungsprojektes. Einer der Kollegen hatte die glorreiche Idee, die dann zu präsentierenden neuen Daten erst nach Ende der entsprechenden studentischen Projektstudie einzupflegen. Und so wurde die Vorbereitung eigentlich zu einer Nachbereitung der Vorlesungszeit.

Das ging dann damit los, dass eine Mitarbeiterin gar nicht berechtigt wurde, um die neuen Daten einzupflegen. Dazu gesellten sich anschließen jede Menge ähnlicher Fehler der gleichen Kategorie „war schon immer fehlerhaft, hatte nur nie jemand getestet.“

Zum Glück gehöre ich zu den Professoren, die nicht immer schon Professor waren, sondern vor diesem Amt auch tatsächlich eine Profession professionell ausübten. In diesem Fall die Profession eines erfahrenden Softwareentwicklers. Als das mit den neuen Daten angesprochen wurde, habe ich die Webanwendungen auf meinen Rechnern zum Laufen gebracht und grob analysiert. Schon rein aus formalen Gründen konnte ich an einem Nachmittag mehr als 2.500 Zeilen Programmcode ohne weitere Auswirkungen (!) löschen. Das erleichterte das Einarbeiten und dann doch einigermaßen zeitnahe Beheben der entdeckte Probleme.

Die Besprechung mit dem Auftraggeber verlief dann diesen Dienstag ohne größere Probleme, Bei der nächsten studentischen Projektgruppe wird wohl das Thema Testen im Fokus stehen.

Apropos Studierende. Es es fand noch eine Klausur statt, am angekündigt heißesten Tag des Jahres. Immerhin funktioniert die Klimatisierung am Bildungsdisneylandcampus. Ursprünglich hatten sich 142 dafür angemeldet. Manchen schwante wohl, dass eine Klausur, auch in Projektmanagement, nicht so einfach sein wird, wenn man sich nicht vorbereitet. So schrumpfte die Zahl der angemeldeten auf 108 zusammen. Teilgenommen haben dann 97 Studierende. Die Mehrheit davon war eher mutig, denn während der Vorlesungszeit nahmen höchstens 35 Studierende regelmäßig an den Präsenzterminen teil. Zumindest waren 35 physisch anwesend. Aber wir wissen ja: wenn man erfolgreich ist, dann war es mutig, sonst nennt man das Verhalten leichtsinnig.

Auf jeden Fall hat die Organisation der auf fünf Räume verteilten Klausur einigermaßen funktioniert. Ursprünglich waren sieben Räume geplant. Jedes Semester was neues, auch für mich.

Die andere Klausur, die mit den 57 Teilnehmenden bei 70 Anmeldungen, habe ich immerhin schon bewertet. Punkte sind noch nicht addiert, Noten noch nicht ermittelt. So wie es aussieht, haben diejenigen, die aktiv während der Vorlesungszeit studierten, einigermaßen erfolgreich abgeschnitten (falls hier Prüflinge mitlesen: bitte warten Sie auf die Noten). Das freut mich. Dieses stichprobenartige überschlägige Ermitteln der Gesamtpunktzahl förderte aber auch zutage, dass viele eben nicht aktiv studierten, sondern höchstens physisch an den Präsenzterminen teilnahmen. Aber das ist nur ein erster Eindruck.

Am Freitag fand noch eine Art Nachholprüfung statt. Ein freiwilliges Angebot an diejenigen Studenten (diesmal sieben), die es verbaselten, während der Projektstudie ihren Programmcode / ihre User Stories zu präsentieren. Von den sieben hatten fünf das verbaseln wiederholt, trotz meines eindeutigen Hinweises pünktlich zu erscheinen. Einer hatte als Ausrede ein liegen gebliebenes Fahrzeug zu beklagen. Das ließ ich gelten und er konnte seinen Programmcode präsentieren. Einer wollte sich wohl erst am Freitag vorbereiten und bemerkte, dass dies nicht mehr so möglich war. Einer meldete sich überhaupt nicht, zwei konnten mir keinen Grund liefern, ihnen zum zweiten Mal entgegen zu kommen. Denn schon die Nachholprüfung war ein Entgegenkommen. Entweder gilt, wer nicht will der hat schon, oder manche lernen lieber auf die härtere Art. Dabei ginge es doch viel einfacher auf die mittelhartweiche Art ;).

Immerhin habe ich es geschafft, ein neues Release des Zettelstores herauszubringen. Heinrich Kümmerle freut sich ja schon länger darauf. Nun habe ich auch keine Sorge, den Zettelstore nicht nur als Lesekopie auf einem öffentlich sichtbaren Server zu betreiben.

In diesen drei Wochen konnte auch ein wenig über Erweiterungen des Zettelstore nachdenken. Den Zettel Presenter gibt es ja schon. Mit diesem erstelle ich meine Vorlesungsunterlagen. Eine andere studientische Projektstudiengruppe konnte mir eindrücklich zeigen, dass das Erstellen einer App für Android nicht so einfach ist. Mit deren Hilfe sollte es einfacher werden, Inhalte, erste Gedanken in den Zettelstore zu bekommen. Nun überlege ich, statt dessen einen Mailadapter zu erstellen. So kann ich mir selbst Mails senden, die dieser Adapter in erste Zettel umwandelt.

Aber auch eine Art Bloggingsoftware wandert schon länger in meinen Gedanken herum. Aktuell bin ich in der prekären Situation, dass dieser Rechner, auf dem ich gerade dieses schreibe, ein Lenovo T61 von 2008, der einzige Rechner ist, auf dem ich Blogposts erstellen kann, ohne dass dieses größere Arbeiten nach nicht zieht. Das liegt auch an der Bloggingsoftware, genauer an den nicht verfügbaren verbesserten Plugins. Natürlich könnte ich so ein Plugin selbst basteln, aber wo bleibt dann der Spaß? Im Ernst, mit dem Mailadapter wäre ein Zettel Blog noch viel nützlicher. Und vielleicht wäre der Zettel Blog kompatibel zum Indieweb, das ich nicht vergessen habe.

Und immer noch suche ich nach einer guten Implementierung, wie man virtuelle Zettel gut auf einem virtuellen Schreibtisch anordnen kann, idealerweise web-basiert. Vielleicht hat einer der dies Lesenden eine Idee.

Ja, die Ideen gehen nie aus, nicht nur die guten Ideen.

Wann es eine neue lange Woche gibt, lasse ich mal offen. Vielleicht gibt es eher inhaltlich spezialisiertere Posts. Die Welt besteht ja (hoffentlich) nicht nur aus Absurditäten der vermeintlich realen Welt.