Prof. Dr. Detlef Stern

Rückblick Sommersemester 2021

Das Sommersemester 2021 war zugleich ein wenig auch Wintersemester 2020/1, denn die Klausurprüfungen des Wintersemesters wurde auf einen Zeitraum im Mai 2021 verschoben. Dies rägte einen Großteil des Sommersemesters.

Zum Glück gibt es online genügend Platz, so dass auch jene, deren Klausurprüfung verschoben wurden, an den Lehrveranstaltungen teilnehmen konnten, um das Wissen frisch für die Klausur zu halten.

Damit der Mai für Vorbereitung, Durchführung und Bewertung der Klausurprüfungen genutzt werden konnte, wurde die Vorlesungszeit kurzerhand um zwei Wochen vorverlegt. So war für die meisten wenig Zeit, um das Sommersemester tiefer gehend vorzubereiten oder ganz einfach einmal durchzuschnaufen. Zusätzlich wurde die Vorlesungszeit um einige Wochen verlängert, denn die Prüfungen im Mai haben etwas fünf Wochen Zeit gekostet. Und da ich im Mai zwei Prüfungen durchzuführen hatte, war die Vorlesungs- und Prüfungszeit so umfangreich wie noch nie.

Aber selbst für jene, die im Mai nicht an den Prüfungen beteiligt waren, ob schreibend oder bewertend, war es nicht wesentlich besser. Da im Mai so gut wie alle Lehrveranstaltungen nicht stattfanden, sind so gut wie alle aus dem Lern-/Lehrrhythmus gekommen. Wer meinte, Teilnehmer von Seminaren oder Projektstudien hätten nun mehr Zeit gehabt, um Ergebnisse herzustellen, der täuschte sich.

Als die Lehrveranstaltungen Anfang Juni wieder begannen, war für so gut wie alle Beteiligten die Luft raus. Interaktion mit dem Lehrenden? Pah! Interaktion untereinander? Nö! Breakout-Sessions für kleine Gruppenarbeiten. Bitte nicht!

Gut, ich übertreibe ein wenig. Wenn man so will, war die Mai-Pause ein Plädoyer für die Abschaffung von längeren Unterbrechungen im Semester. Und ja, das gilt auch für die übliche Vorlesungspause zum Jahreswechsel. Warum nicht das Semester kurz vor Weihnachten enden lassen?

Projektmanagement (2. Semester)

Zu diesem Fach schreibe ich etwas auf einer separaten Seite. Bitte dort weiterlesen.

Softwaretechnik (3. Semester)

Zu Beginn des Semesters gab es viele Fragen, viele Unsicherheiten, was die nachzuholende Prüfung anging. Die Online-Interaktion war soweit in Ordnung, wenn auch eher von jenen, die schon im Wintersemester die Veranstaltung besucht hatten. Die „Neuen“ hielten sich etwas im Hintergrund, sofern man bei ausgeschalteter Kamera von Hintergrund sprechen kann.

Hatten diejenigen, welche die Entscheidung der Prüfung auf den Mai beschlossen hatten, gehofft, dass Mitte des Jahres die Prüfung in Präsenz stattfinden kann, so mussten sich genau diese Personen der Realität geschlagen geben. Die nun durchzuführende Online-Klausur hätte man auch im Wintersemester durchführen können. Wenn man das im November / Dezember auch so geplant hätte. Genau, alles im Konjunktiv.

Manchmal wünsche ich mir, dass eine Leitung auch mal zur Führung wird. Aber warum sollten Hochschulen anders sein als der Rest des (nicht nur) öffentlichen Dienstes?

Nun ja, immerhin scheinen alle Beteiligten sich nun vorbereitet zu haben.

Wie auch im Fach „Projektmanagement“ habe ich mich für eine Open-Book-Klausur entschieden. Auch in diesem Fach habe ich deshalb die prinzipielle Struktur geändert, denn reine Wissensfragen passen in das neue Format nicht hinein.

Die nachgeholte Klausur des Wintersemesters fiel leicht unterdurchschnittlich aus. Das mag an der geänderten Form liegen. Aber man konnte an den nun eher konstruktiven Aufgaben („Zeichnen Sie ein Sequenzdiagramm für folgenden Login-Ablauf eines Web-Dienstes“) sehen, dass viele sich nur auswendiglernend vorbereitet hatten.

Was mich aber besonders freute, waren Studierenden, die sich wirklich vorbereitet hatten. Besonders bei einer Arbeit habe ich es mir nicht nehmen lassen, außer Konkurrenz nach weitergehenden Fehlern zu suchen. Es gab keine. Wow! Und sie unterschied sich von meiner Musterlösung.

Nach der Klausur war de facto vor der Klausur, denn Ende Juli fand die reguläre Prüfung für das Sommersemester statt. Die Leitung hatte diesmal rechtzeitig eine Online-Prüfung vorgegeben, so dass sich für mich nicht zu viel organisatorisch änderte.

Die Vorlesungszeit ab Juni war für mich recht ruhig. Kaum Nachfragen. Eine gewisse Müdigkeit schien umzugehen. Übrigens, nicht nur bei mir. Auch andere Lehrende berichteten von ähnlichen Symptomen.

Am Ergebnis der Klausur im Juli konnte man gut erkennen, dass manche nicht wirklich die Ergebnisse der Mai-Klausur verarbeitet hatten. (Lern-) Muster ändern sich offenbar nicht so schnell. Wer sein bisheriges (Lern-) Leben für die Korrektheit kleiner Aufgäbchen belohnt wurde, tut sich bei Aufgaben, die auf Zusammenhänge abzielen, etwas schwerer. Diese Änderung ist sowieso Teil eine Hochschulstudiums. Das zu ändern fiel manchen in einer Online-Welt schwerer.

Ich hoffe, im folgenden Semester müssen wir alle nicht so viel neues lernen, was weniger fach-relevant ist.

Projektstudie (4. Semester)

In diesem Semester nahmen Studierende teil, mit denen ich mich noch nie physisch getroffen hatte. Das dritte Digitalsemester macht es möglich. Trotzdem verstanden wir uns recht gut, auch trotz einiger ungeplanter Vorkommnisse.

Einige Studenten ließen ihre Gruppen nach wenigen Wochen im Stich, andere nach den Prüfungen im Mai. Für die betroffenen Gruppen ist es dann nicht immer leicht, sich in der neuen Konstellation zurecht zu finden. Eine Gruppe schrumpfte im Laufe des Semesters von sieben auf vier Mitglieder. Die klausur-orientierte „Freischussregelung“ macht es möglich.

Die drei Gruppen entwickelten die in den vergangenen Semesters realisierten Software weiter. Eine Gruppe arbeitete sich wieder in die für sie neue Programmiersprache Go ein.

Allerdings waren die Ergebnisse dieses Mal etwas dürftiger. Zum einen mag dies an den Prüfungen im Mai gelegen haben, die alle Studierenden dieser Projektstudie absolvieren mussten. Zum anderen fielen von mir immer wieder angemahnte Aktivitäten unter den Tisch, warum auch immer. Konkret mache ich das an fehlenden gemeinsamen Code-Reviews fest. Hier war ich vielleicht etwas nachlässig und/oder habe den Gruppen zu viel Freiraum gegeben.

Aber die Veranstaltung hat mir trotzdem Spaß gemacht und wir alle konnten das eine oder andere lernen.

Projektstudie (7. Semester)

Irgendwie glich diese Projektstudie der vom vierten Semester. Auch hier waren die Ergebnisse nicht so gut wie in den letzten Semestern. Auch hier wurden angemahnte Aktivitäten nicht durchgeführt, auch hier insbesondere gemeinsame Code-Reviews. Allerdings waren die Studenten im siebten Semester nicht von den Mai-Prüfungen betroffen.

Die zwei Gruppen schienen irgendwie fleißig zu arbeiten, schmorten aber immer wieder im eigenen Saft. So musste ich den einen oder anderen intensiveren Impuls setzen. Aber so richtig stellte sich keine Wachsamkeit ein, die meisten schienen eher auf persönliche Komfortfaktoren Wert zu legen. Dabei ist Wachsamkeit eine Vorbedingung für ein agiles Vorgehen. So war bei vielen eher das Abhaken von Checklisten angesagt.

Seminar (6. Semester)

Wieder mussten die Teilnehmer sich selbst zu bearbeitende Probleme suchen, diesmal unter dem Oberthema Zettelstore. Wieder konnte unser letztsemestriger Gast der Universität Bonn dabei sein. Dank ihm gab es einige, leider etwas wenige, aber immerhin, Diskussionen.

Besonders in diesem Fach zeigte sich die Konsequenz der Mai-Pause. Elf Studenten hatten ein Problem gefunden und wollten es bearbeiten. Sieben haben eine Seminararbeit abgegeben. Und das, obwohl die Bearbeitungszeit durch die Mai-Pause um fünf Wochen länger war als sonst. Mit abenteuerlichen bzw. wortgewandten Begründungen wurde die Nicht-Abgabe erklärt.

Aber auch die abgegebenen sieben Arbeiten waren von weniger guter Qualität, im Vergleich zu früheren Semestern. Offensichtlich waren diese mit sehr heißer Nadel kurz vor Abgabetermin zusamengebastelt worden.

Vielleicht liegt es daran, dass die reinen Online-Lehrveranstaltungen weniger Verbindlichkeit, weniger Rhythmus erzeugen. Der Weg vom Bett zum Seminar vor dem Computer ist dann doch viel kürzer als der Weg vom Bett, über Frühstück, Anfahrt zur Hochschule, ins Seminar und strukturiert weniger vor. Trotz eingesparter Geh-/Fahrzeit.

Immerhin waren die (neuen) Zwischenpräsentation recht gut. Etwas, das ich beibehalten werde.

Skalierbare IT-Systemarchitekturen (Master, 2. Semester)

Dieses Fach fand vor einem Jahr das erste Mal statt, nun also zum zweiten Mal. Diesmal eher mit 22 Studierenden als mit 12. Und wieder mit einem Lernportfolio als Prüfungsleistung.

Nachdem im letzten Jahr das Lernportfolio als linearer Text erstellt wurde und ich insbesondere Querbezüge zwischen den Einzelthemen vermisste, mussten die Studierenden dieses Semester das Lernportfolio als Wiki erstellen. Ich stellte vorab einige Möglichkeiten vor, alle wählten dann TiddlyWiki aus.

Hatte ich im letzten Jahr einen Umfang in Form einer Seitenanzahl vorgegeben, so musste ich dies nun in Worte / Zeichen übersetzen. Im letzten Jahr wurden viele Wörter geschrieben, mit teilweise wenig Inhalt. Das wollte ich vermeiden, also habe ich den Umfang mit 7200 Worten angegeben. Nach einigen guten Diskussionen mit den Studierenden habe ich das Literaturverzeichnis hiervon ausgenommen. Ich wollte mit der Verknappung zum einen eine präzisere Wortwahl motivieren, als auch das Erstellen von Graphiken fördern.

Die meisten konnten diese Grenzen einhalten und trotzdem gut bis sehr gute Lernportfolios abgeben.

Nach kurzer Zeit hatte sich ein guter Rhythmus eingespielt und ich freute mich jedesmal, dass alle an jedem Termin etwas beitragen konnten. Natürlich sind einige aktiver als andere. Aber auch die ruhigen Studierenden konnten, spätestens auf Nachfrage, etwas Gutes beitragen.

Berufsbegleitender Master (2. Semester)

Das Fach „Software-Lifecycle-Management“, fand wieder online statt, wieder am Samstag. Ich war mit diesem Tag soweit zufrieden, die Studierenden laut persönlicher Rückmeldung auch. Hier also Business-as-usual.

Sonstiges und Fazit

in diesem Semester war irgendwie der Wurm drin. Muss wohl auch mal sein. Gerade die Prüfungen im Mai haben die Vorlesungszeit zerstückelt.

Dies betrifft auch meine wöchentlichen Termine zur Betreuung von Abschlussarbeiten und berufsbegleitenden Projektarbeiten. Ergaben sich im letzten Semester immer wieder gute Diskussionen, so herrschte das Einzelgespräch vor. Wenn, ja wenn der Termin mangels Beteiligung nicht sowieso ausfiel.

Dafür hatte ich in diesem Semester immer mal wieder Zeit, das Kolloquium als Gast zu besuchen. Hier zu erfahren, woran andere arbeiten, macht immer wieder Freude.

Auf der technischen Ebene habe ich soweit alles gefunden, ob nun Mikrofon, Mischpult, Lautsprecher, Headset, Internetanschluss und so weiter. Demnächst ist ein neuer Dienstrechner fällig. Nach fünf Jahren wird es Zeit.

Ausblick

Das nächste Semester soll wieder in Präsenz stattfinden. Zum einen finde ich das für die Studierenden ganz gut. Nicht jede Person ist für ein Fernstudium geeignet. Zum anderen befürchte ich, dass alles was an der Online-Lehre gut ist, wieder verdrängt wird. Wir alle haben so viel gelernt, mussten viel Neues entwickeln. Es wäre schade, wenn all das wieder verschwindet, bis auf ein paar Erfahrungsberichte.

Unter welchen Bedingungen ein Präsenzbetrieb stattfinden wird, ist noch ziemlich offen. Es gibt zwar ein paar Ansagen, aber die letzten Semester haben uns viel über die Haltbarkeitsdauer von Plänen gelehrt. Wenn Veranstaltungen online gelehrt werden (müssen), dann leider die aus den unteren Semestern.

Mein Wunsch wäre, an ein, zwei Tagen Online-Lehre anzubieten und den Rest in Präsenz zu lehren. Ebenso profitierte mancher dienstlicher Termin davon, nicht in Präsenz stattgefunden zu haben. Und damit meine ich nicht nur, aber auch, die neue Kürze dieser Termine.

Im Bachelor werde ich, wie üblich, die gleichen Fächer lehren. Etwas Kontinuität darf gerne sein. Im Master wechseln die Veranstaltungen, da dieser nur im Wintersemester beginnt.

Mal sehen, welche Überraschungen wir in der kommenden Zeit erleben werden.