Prof. Dr. Detlef Stern

Yoyod, die erste: Mail

Es gibt vier Probleme, wenn man einen Mailserver selbst betreiben möchte:

  • der Server sollte dauernd erreichbar sein, damit er Mails auch entgegen nehmen kann,
  • der Server sollte abgesichert sein und offensichtliche Spam-Mail erst gar nicht annehmen,
  • andere Mailserver sollten dem Server "vertrauen", damit sie dessen Mails entgegen nehmen,
  • der Server sollte regelmäßig über ein Backup gesichert werden, damit (wichtige) Mails nicht verloren gehen.

Der letzte Punkt ist einfacher zu realisieren, denn dies sollte sowieso für jeden Computer gemacht werden. Wer seine Daten nicht sichert, darf sich hinterher nicht beschweren. Ich empfehle, die eigenen Daten ohne viel Schnickschnack zu sichern. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die ersten drei Punkte sind dagegen viel schwerer zu realisieren. Einen Server dauerhaft im Netz zu betreiben, gut und permanent zu administrieren, Sicherheitspatches einzuspielen, sich über die neuesten Tricks der Spammer auf dem Laufenden zu halten und dafür zu sorgen, dass der eigene Server eben nicht auf eine Blacklist kommt, das ist eine Aufgabe für fähige Administratoren. Ganz zu schweigen, dass man sich tiefergehend mit MTAs, MDAs, MUAs und ggf. MRAs auseinander setzen muss. Tiefergehend. Für mein Wochenendprojekt ist das definitiv zu viel.

Viel einfacher ist der in einem c't-Artikel besprochene Weg: mein Mailhoster kümmert sich um die ersten drei Punkte. Das macht er nämlich richtig gut. Alles, was ich noch tun muss ist:

  • einen Mailaccount beim Mailhoster einrichten,
  • die Mails regelmäßig abholen und auf den eigenen Server schieben (dafür ist der MRA notwendig, bei mir ist es getmail),
  • einen lokalen MDA betreiben (ist bei mir procmail),
  • für den Zugriff meines Mailprogrammes einen IMAP einrichten (bei mir: dovecot),
  • dafür sorgen, dass der MTA (bei mir postfix) die Mails nicht direkt versendet, sondern den MTA des Mailhosters als Relais verwendet.

Das alles klingt schwieriger als es ist. Außerdem hat ein Wochenende zwei Tage und zwei Nächte ;-). Im Ernst, je nach verwendetem Betriebssystem (Windows bitte eher nicht) und / oder Distribution und / oder Hersteller des Serverleins gibt es schöne Anleitungen im Netz. Einfach mit der Suchmaschine der Wahl danach googeln.

Bei mir war die Sache mit dem MRA (getmail) etwas einfacher, da ich getmail schon für den Backup meines Kontos bei Google Mail verwendet habe. Das dort beschriebene entsprechend anpassen.

Das Einrichten von MDA (procmail) und IMAP (dovecot) war recht einfach, viel zu schrauben ist dort nicht. Trickreicher war höchstens, den MTA (postfix) zu überreden, die Mails nicht selbst auszuliefern, sondern den Mailhoster als Relais zu verwenden. (Nebenbei: bei meinen persönlichen Tests kamen alle Mails auch ohne Relaisfunktion an, bis auf die an meine Arbeit. Your mileage may vary.)

Den Aufruf von getmail steuere ich übrigens per cron. Zu meiner eigenen Entschleunigung fragt getmail nicht alle paar Minuten meinen Mailhoster auf neue Mails ab, sondern viel seltener. Aktuell experimentiere ich mit Zeitabständen von 2-3 Stunden. Sprich, ich kann soviel meinen lokalen IMAP-Server neue Mails prüfen lassen, die kommen eh erst alle 2-3 Stunden an. Wenn ich mich an die Zeitabstände gewöhnt habe (ja, dass muss ich), dann werde ich die Zeitabstände wochentags noch weiter verzögern: nur noch um 13 Uhr und um 17 Uhr. Wenn ich einmal eine Mail schneller benötige (z.B. zur Registrierung), kann ich den Abruf manuell starten oder den Webmail-Client meines Mailhosters nutzen.

Mit diesem Aufbau kann ich meine Mails im lokalen Netz sehr komfortabel abrufen. Für den mobilen Zugang muss ich meinen Router an zwei kleinen Stellen öffnen (IMAPS und SMTPS), mein Serverlein über einen DDNS-Dienst einen DNS-Namen geben (habe ich aus anderen Gründen sowieso) und einige Zertifikate für SSL erzeugen (habe ich auch schon).

Fertig.

Jetzt kann ich meine Mails auch mobil abrufen. Bisher nutzte ich auf meinem Händie zwei Mailprogramme: eines für die Arbeit und für Google Mail das von Google. Nun brauche ich nur noch eines. Sehr bequem.

Mein Konto bei Google Mail hat eine Weiterleitung auf meinen Mailhoster, seit Jahren nutze ich den Weiterleitungsdienst der ACM. Diesem muss ich meine neue Mailadresse mitteilen. So kommen alle Mails weiter an. Wer so etwas nicht hat, sollte nun allen die neue Mailadresse mitteilen.

Der Backup funktioniert?

Jetzt ist das erste Wochenende auch schon herum. Wer den Tatort verpasst hat, kann sich bei Twitter für das montägliche Teeküchengespräch beim Kaffeekochen noch schnell präparieren.

Beim nächsten Mal geht es um einen Ersatz für Google Reader.

Update 20.02.2012: die Gewöhnung an die Zeitabstände ging schneller als gedacht. Ab nun also nur noch wirklich um 13 Uhr und um 17 Uhr.