Prof. Dr. Detlef Kreuz

Yoyod, die nullte

Als ich im letzten Blogeintrag darüber schrieb, wie man ein Backup für Google Mail anlegen kann, blieb bei mir tief im Inneren das Gefühl: da stimmt etwas nicht.

Google Mail ist ein sehr bequemer Dienst. Die Web-Oberfläche ist zwar nur einigermaßen komfortabel, aber ich habe mich mit einer Reihe von Labels und Filter dort gut eingerichtet. Spam ist kein großes Problem, dem Filter sei Dank. Für den mobilen Zugriff gibt es eine halbwegs vernünftige App. Zur Not ginge auch die Mobilansicht. Also was solls?

Ja, damals wollte ich weg von Google und habe es nicht geschafft. Den Anfang sollte Google Reader machen, aber nach einiger Zeit bin ich dann doch wieder zurück gekommen. Zu fehlerbehaftet war die Software (damals: Gregarius). Das lag sicher auch daran, dass ich nur über einen, hmm, eingeschränkten Webspace verfügte. Vom mobilen Zugang möchte ich gar nicht sprechen.

Heute ist vieles anders. Über meinen Hoster kann ich mich selbst nach knapp einem Jahr nun gar nicht beschweren. So gut wie alles ist dort möglich. Aber viel wichtiger: seit über 2 Jahren schnurrt ein kleines, linux-basiertes Serverlein unter meinem Schreibtisch. Dort hoste ich Daten, die besser auf meinen Systemen bleiben sollen (Klausuren, ...). Denn für jeden Rechner gilt: you must trust the admin. Nicht, dass ich Uberspace nicht über den Weg traue. Aber selbst unter Freunden gibt es Dinge, von denen der andere nichts wissen muss. Seit einem halben Jahr traue ich mich mein Serverlein nicht nur intern zu betreiben.

Irgendwann im letzten Jahr fing ich an, über meine eigenen Daten wieder nachzudenken. Mail, RSS-Feeds, Kalender, Kontaktdaten liegen teilweise in der Cloud. (BTW, immer wenn ich "Cloud" höre, fehlt mir das Objekt des Satzes). So 100%ig bin ich auch mit den ganzen sozialen Netzen nicht zufrieden. Weil es Twacbak gibt, nutze ich Twitter. Geplusst wird kaum und wenn, dann nur an bestimmte Kreise. Und Facebook? Da ist wohl wenig zu sagen. Wer sich dort austoben will, soll es tun.

Den letzten Anschub gaben ein c't-Artikel und der Blogpost Why do self-respecting hackers use Gmail & Co?. Natürlich hätte ich einfach nur meine Mail bei Uberspace hosten lassen können. Aber zum einen lerne ich gerne dazu. In diesem Fall, wie man einen Mailserver aufsetzt und betreibt. Und zum anderen möchte ich meine Daten bei mir haben. Auf nicht von mir kontrollierten Systemen können gerne ggf. Kopien liegen. Aber meine Mail soll aufs Serverlein.

Womit ich die Titelzeile auflösen kann: Yoyod bedeutet "You Own Your Own Data". Das ist mein Motto für dieses Jahr. Ich weiß, damit bin ich spät dran. Aber besser spät als nie.

Nach dem Abschied von Google Mail steht der von Google Reader an. Passt sowieso zur Änderung der "Datenschutzerklärung" bei Google.