Prof. Dr. Detlef Kreuz

Zwei Sinnsprüche: Führung und Lehren

Seit einiger Zeit begleitet mich ein Zitat zum Thema Führung, dass Antoine de Saint-Exupéry zugeschrieben wird:

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.

Heute habe ich in einem sehr interessanten Buch ein Zitat von Plutarch gelesen, das mich sicher auch einige Zeit in meiner Arbeit als Lehrender begleiten wird:

Der Geist ist nicht wie ein Gefäß, das gefüllt werden soll, sondern wie Holz, das lediglich entzündet werden will.

Wenn das keine Handlungsanweisung für Lehrende (und Lernende!) ist.

Das Zitat in einem größeren Kontext erhellt (!) sicher noch mehr:

Wir müssen uns – nachdem wir die grundlegenden Aspekte begriffen haben – (gegenseitig) dazu ermuntern, in uns selbst alles andere miteinander in Verbindung zu setzen, unsere Erinnerung zu nutzen, um unser originäres Denken zu lenken, und das, was ein Anderer sagt, als Ausgangspunkt anzuerkennen, als Saatkorn, das genährt und aufgezogen werden will. Den die richtige Analogie für den Geist ist nicht etwa das Gefäß, das gefüllt werden muss, sondern Holz, das entzündet werden will – sonst nichts -, und dann spornt es einen zu Originalität an und flößt einem die Sehnsucht nach Wahrheit ein.

Angenommen, jemand ginge los, um seine Nachbarn um Feuer zu bitten; er fände dort eine zuverlässige Flamme vor und bliebe einfach dort, um sich fortwährend zu wärmen. Dies unterscheidet sich in nichts von einem Anderen, der jemanden aufsucht, um etwas von dessen Vernunft mitzubekommen, und nicht begreift, dass er seine eigene Flamme, seinen eigenen Intellekt, entzünden muss; aber er ist zufrieden damit, vom Vortrag verzaubert dort zu sitzen, und die Worte lösen lediglich assoziative Denkvorgänge aus und bringen quasi nur seine Wangen zum Erröten und Glut in seine Glieder. Aber er hat im warmen Schein der Philosophie die feuchte Düsterheit im Inneren seines Geistes nicht vertrieben oder zerstreut.

Wir Lehrenden dürfen nicht einfach nur Fakten, Fakten, Fakten präsentieren. Sicherlich haben diese einen Wert, wenn es darum geht, Grundlegendes aus einem Fach als Starthilfe weiter zu geben. Aber dann muss der Funke überspringen. Wir Lehrende müssen die Flamme unseres Wissens weiterreichen, nicht nur mit warmen Worten wärmen.

Wir Lernende dürfen uns nicht damit zufrieden geben, dass ein Anderer uns schon mit dem richtigen Wissen versorgen wird. Wir müssen selbst lernen, das kann der Lehrende nicht für uns tun. In der deutschen Sprache gibt es aus gutem Grund keine wirkliche Passivform zu "Lernen". "Ich wurde gelernt" klingt jedem grausam in den Ohren.

Her mit dem Feuer, ich brenne darauf zu lernen und zu lehren ;-)