Prof. Dr. Detlef Kreuz

Projektstudie Softwareentwicklung WS 2009/10: Lessons Learned

Das Semester ist noch nicht zu Ende, aber trotzdem wird es langsam Zeit, dass ich über die Erfahrungen der "Projektstudie Softwareentwicklung" berichte. In der letzten Veranstaltung hatten wir uns in einem großen Kreis zusammen gesetzt, um über die Projektstudie zu reflektieren.

Zunächst möchte ich mich auf diesem Wege noch einmal bei allen Beteiligten bedanken. Es ist schwer, Feedback zu geben, wenn Noten noch nicht vergeben sind. Ich danke für Ihr Vertrauen, so offen für Sie relevante Punkte anzusprechen. Und noch dazu bei jemanden, den Sie erst vor einem Semester grob kennen gelernt haben.

Danke schön!

So, was hatte ich auf unserer Sammeltafel notiert (meine Anmerkungen in kursiv)?

Zunächst das, was als positiv empfunden wurde.

Firmenprojekte

Auch dieses Semester wurden zwei der fünf Themen von externen Firmen gestellt. Diesmal war sogar SAP Consulting mit dabei. Die andere Firma war (leider) nicht ganz so präsent. Trotzdem ist es gut, praxisnahe und -relevante Projekte durchzuführen, besonders wenn die Ergebnisse später auch produktiv eingesetzt werden.

Dies sehe ich auch so. Ich freue mich, dass wir die Strukturen haben, relativ unkompliziert Projektstudien mit externen Firmen zu planen und umzusetzen. Für das nächste Semester ist wieder etwas in Planung. :-)

Räumlichkeiten und Werkzeuge

Der reservierte Gruppenarbeitsraum Y002 wurde als sehr hilfreich empfunden. Genügend Platz, mehrere Weißwandtafeln, Steckdosen für die eigenen Notebooks unterstützten die Arbeit. Auch wenn es ruhig mehr Steckdosen sein dürften ;-)

Als Werkzeug war besonders Dropbox hilfreich. Es bietet sehr gute Möglichkeiten für den Austausch von Dateien, auch mit externen Kunden. Den einen oder anderen hat die Backup-Funktionalität sehr geholfen.

Das Wiki hat Ihnen als Wissensbasis geholfen, da auch frühere Semester hier ihre Erfahrungen dokumentiert hatten.

Die Verfügbarkeit des Gruppenarbeitsraum wird auf jeden Fall beibehalten. Ich versuche im nächsten Semester mögliche Störungen durch andere Veranstaltungen weiter zu verringern.

Den Einsatz von Dropbox sehe ich mit gemischten Gefühlen. Es hat Sie auch dazu verführt, das Werkzeug zur Versionsverwaltung (Subversion) eher zu wenig einzusetzen. Ich nehme mit, expliziter festzulegen, was in die Dropbox gehört, was in das Werkzeug zur Versionsverwaltung und was in das Wiki.

Siehe auch Punkt "Technische Hilfen" aus dem letzten Semester.

Statusberichte

Der Zwang zu wöchentlichen Statusberichten hat Ihnen geholfen, das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren.

Und ich hatte zunächst gedacht, Sie würden den Zwang als zu restriktiv ansehen. So kann man sich täuschen.

Jetzt zu den Punkten, die Sie als verbesserungswürdig ansehen.

Teambuilding

Sie haben einen Workshop zur Verbesserung der Teamfähigkeit angeregt. Die Teams waren ja, bis auf eine Ausnahme, im wahrsten Sinne des Wortes, zusammengewürfelt (auch wenn es kein realer Würfel war, sondern nur ein Zufallszahlengenerator). Viele Teammitglieder kannten sich vorher höchstens vom Sehen, die Gruppe musste sich zum Team zusammenraufen.

Ich gebe zu, so richtig habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Zum einen sollen Sie genau diese Erfahrung machen: mit relativ Fremden zusammen arbeiten und nicht nur eine Gruppe, sondern ein Team sein. Ein Workshop könnte möglicherweise das Bewusstsein für "Gruppe vs. Team" schärfen, aber ob ein "Teamunfähiger" dadurch "teamfähig" wird bezweifle ich.

Der Studiengang hat in diesem Semester einen ähnlich gelagerten Workshop für die Erstsemester durchgeführt. Ich bin gespannt, welche längerfristigen Ergebnisse hier zu erwarten sind.

Mehr Retrosprektiven

Es wurde von Ihnen als gut angesehen, dass wir die Feedbackrunde zum Ende der Veranstaltung durchgeführt haben. Diese sollte aus Ihrer Sicht häufiger durchgeführt werden. Als Anregung an zukünftige Projektteams sollten Retrospektiven auch teamintern durchgeführt werden.

Die Anregung nehme ich gerne mit. Ich werde im nächsten Semester eine weitere Feedbackrunde für die Mitte des Semesters einplanen. Teaminterne Retrospektiven sollte m.E. moderiert werden. Vielleicht kann dies der studentische Coach übernehmen.

Als weder rein positiv, noch rein verbesserungswürdig haben Sie folgende Punkte angesprochen:

Pair Programming

Pair programming hat vielen geholfen, sich tiefer in das jeweilige Gebiet einzuarbeiten. Problematisch wird gesehen, dass im Werkzeug zur Versionsverwaltung nur ein Benutzer als Bearbeiter gespeichert wird.

Ja, ich nutze die Informationen aus dem Werkzeug zur Versionsverwaltung, um abzuschätzen, wer wieviel an der Entwicklungsarbeit beteiligt war. Da immer nur einer als Bearbeiter angegeben werden kann, sollten Sie sich entsprechend beim Einchecken abwechseln. Und wenn Sie zusätzlich dokumentieren, wann Sie mit wem Pair programming betrieben haben, kann ich dies berücksichtigen.

Also: keine Angst vor Pair programming

Risikomanagement

Sie bemerkten, dass es Ihnen geholfen hat, eine initiale Risikoanalyse durchzuführen. Diese sollte aber im Laufe des Projektes immer wieder durchgeführt werden, da sich die anfänglichen Annahmen immer mal wieder als falsch heraus stellen.

Ja. Das nennt man dann Risikomanagement ;-). Ich nehme das einmal als Botschaft an Ihre Nachfolger.

Zeit- / Aufgabenbewusstsein

Hier gab es nach Ihrer Auskunft erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Teammitgliedern. Einige sahen es eher "locker", andere sehr penibel. Dies gilt es im Team zu harmonisieren.

Dies ist sicher ein Punkt zur Teambildung. Ist von mir so gewollt, das sollen Sie lernen. Manche können das besser als andere. Aber so ist das Projektleben ;-). Auch dies nehme ich als Anregung an Ihre Nachfolger im kommenden Semester. Evtl. kann auch hier der studentische Coach unterstützen, z.B. in den teaminternen Retrospektiven.

So, habe ich noch etwas vergessen? Ich hoffe mal nicht und freue mich, Sie dann im nächsten Semester in "Projektmanagement 3" zu sehen, wenn Sie nicht das Proxasissemester absolvieren. Falls ich etwas vergessen habe, einfach eine E-Mail an mich. Oder hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Blogeintrag.