Prof. Dr. Detlef Kreuz

Blogofile statt Wordpress

Wie einige andere habe auch ich beschlossen, die Plattform für diesen Blog zu wechseln. Dafür gibt es einige Gründe:

  1. Das PHP-basierte Wordpress ist alles andere als sicher. PHP ist an sich schon ein Sicherheitsproblem. Wenn eine Sprache "für das Web" nicht einmal die rudimentärsten Probleme im Design behebt, ist grundsätzlich etwas falsch gelaufen. Im Gegenteil, PHP forciert geradezu unsichere Systeme. Wordpress versucht um einige dieser Probleme herumzudoktern, spätestens die Plugins machen allem einen Strich durch die Rechnung.

  2. Mindestens einmal pro Woche muss ich entweder Wordpress selbst oder eines der Plugins aktualisieren. Meistens wegen irgendwelcher Sicherheitsprobleme. Bei jedem Update sicherheitshalber einen Backup machen, hoffen, dass alles klappt und dann (meistens) erleichtert aufatmen nervt auf die Dauer. Muss aber gemacht werden. Siehe oben.

  3. Wordpress läuft bei meinem Hoster alles andere als schnell ab. Dabei sind kaum Plugins installiert. Wenn ich beim Erstellen eines Beitrags bei jedem Seitenwechsel ein, zwei Sekunden (und mehr) warten muss, dann bringt das ganze keinen Spaß. Auch beim normalen Lesen dauert alles einfach viel zu lange.

  4. Wenn ich programmiere, kann ich sehr komfortabel alle Versionen sichern, vergleichen und ggf. wiederherstellen. Mit Wordpress nicht.

  5. Ich habe keine Lust mehr, entweder mich mit HTML herumzuplagen oder den nur teilweise funktionierenden Editor nutzen zu müssen. Für Editoren wie TextMate gibtgab es ein Plugin für Wordpress. Aber das steht mir immer wieder im Weg herum. Ich möchte einfach ganz normalen Text eingeben und Überschriften, Tabellen, u.s.w. werden automatisch erkannt. Ich will Markdown, reStructuredText oder ähnliches nutzen!

Diese Gedanken führten mich zu Blogofile. Dort schreibe ich mit meinem Lieblingseditor in ganz normale Dateien (fast) ganz normalen Text. Ich kann zur Formatierung Markdown, reStructuredText, HTML und was weiß ich noch verwenden. Programmcode jedweder Sprache wird wunderbar mittels Pygments corloriert. Bilder brauche ich nicht umständlich hochladen, sondern kopiere sie einfach in ein bestimmtes Verzeichnis.

Dann generiere ich mittels Blogofile statische HTML-Dateien, die ich mittels rsync zeit- und ressourcensparend auf meinen Webspace kopiere. Vorher kann ich mir das Ergebnis lokal ansehen. Das ganze kann ich mit einfachen Mitteln vollständig an meine Bedürfnisse anpassen.

Was verliere ich dadurch? Gar nicht sooo viel:

  • Keine dynamischen Inhalte mehr, wie zum Beispiel Kommentare, Twitter-Timeline oder sinnige Sprüche.
  • Automatische Tweets bei Veröffentlichung sind nicht mehr möglich.
  • Die zeitgesteuerte Veröffentlichung von Einträgen wird schwierig.

Kommentare wären ist über separate Web-Dienste, wie Disqus oder IntenseDebate möglich. Ich habe sie erst einmal deaktiviert, da ich meistens sowieso nur mit Spam-Kommentaren beschäftigt war. Wer mir etwas mitzuteilen hat, kann dies auch über Twitter tun. Wenn es zu viele werden, nutze ist Disqus.

Automatische Tweets könnte ich irgendwann einmal mit Twacbak realisieren. Blogofile ist wie Twacbak in Python implementiert. Über Cron-Jobs könnte ich mir etwas zusammenbauen, damit Einträge zeitgesteuert veröffentlicht werden. Brauche ich aber aktuell nicht.

Um Blogofile gut nutzen zu können, habe ich es ein wenig abgeändert. Insbesondere habe ich die Möglichkeit hinzugefügt, Seiten mit Markup aber ohne Datum, Kategorie und Tags erstellen zu können. Das Impressum oder meine Hochschulseiten wollte ich dann doch nicht in HTML schreiben. Die CSS-Datei habe ich dann auch nicht ganz von Anfang an erstellt. Um meine gesammelten Sprüche einzustreuen baue ich mir noch ein kleines Modul.

Was gewinne ich? Einiges:

  • Keinerlei Sicherheitsprobleme wegen PHP oder Wordpress
  • Hohe Zugriffsgeschwindigkeit
  • Ich nutze meine gewohnten Werkzeuge (Vim, Mercurial, bash, ...)
  • Keine Backupprobleme mehr
  • Keine zu pflegende Datenbank mehr, alles in Textdateien
  • (fast) automatische Formatierung
  • Pflege meines Nerd-seins

Ich glaube, der letzte Punkt gab den Ausschlag.

Update 22.04.2016: das Bessere ist des Guten Feind. Seit heute nutze ich Blogofile nicht mehr, sondern Lektor. Das hat zum einen technische Gründe, zum anderen wird Blogofile nicht mehr wesentlich weiterentwickelt.