Prof. Dr. Detlef Stern

Projektstudie Softwareentwicklung SS 2009: Lessons Learned

Der Abschluss ist zwar schon ein wenig her, aber besser spät als nie: die Dokumentation dessen, was wir in diesem Semester in der "Projektstudie Softwareentwicklung" als relevante Erkenntnisse gewonnen haben.

Ich möchte mich auf diesem Wege noch mal bei allen Beteiligten bedanken. Es ist schwer, Feedback zu geben, wenn die Noten noch nicht vergeben sind. Es gehört eine gehörige Portion Vertrauen dazu, so offen zu agieren, auch wenn ich betone, dass ich den Inhalt von Feedbackgesprächen nicht in die Notenvergabe mit hinein beziehe. Vielleicht gab es in der Vergangenheit auch negative Erfahrungen mit dem einen oder anderen Kollegen. Deshalb: Danke schön!.

Was hatte ich mir aufgeschrieben (meine Anmerkungen in kursiv)?

Firmenprojekte

Die Themen von zwei der vier Projekte wurden von externen Firmen gestellt. Dies wurde von allen positiv gesehen. So (relativ) früh im Studium schon mit Unternehmen in Kontakt zu treten und "echte" Projekte durchzuführen war für alle Beteiligten gut.

Sehe ich auch so. Ich hoffe auch für das nächste Semester wieder Unternehmen zu gewinnen, die für Projekte zur Verfügung stehen.

Zu viel Zeit vertan, sich selbst überschätzt

Gerade in der Anfangsphase wurde nicht genug Arbeit in die Planung und den Entwurf der Software investiert. 15 Wochen sind eine Menge Zeit und zu Beginn sieht man nicht, dass man diese wirklich benötigt. Dazu gehört auch, das die Aufgabe eher unterschätzt und sich viele selbst überschätzt haben. Am Anfang wurde zu viel dokumentiert. Die geforderte Dokumentation wurde als zu umfangreich bewertet, die Struktur für das Pflichtenheft sollte vorgegeben werden.

Ja, auch nach meinem Gefühl haben Sie es zu Beginn etwas zu locker angehen lassen. Die zu Beginn ungenutzte Zeit kann später kaum aufgeholt werden, dazu sind 15 Wochen zu kurz! Sie besuchen nicht nur meine Veranstaltung ;-)

Durch die zu erstellende Dokumentation möchte ich sicherstellen, dass Sie die wichtigsten Schritte der Softwareentwicklung auch durchführen. Es geht mir nicht nur um das Endergebnis. Mir ist auch der Weg zum Ergebnis wichtig. In einem relativ kleinen Projekt wie diesem mag es egal sein, wie man zum Ziel kommt. Spätestens bei einem größeren Projekt bekommen Sie dann aber Probleme. Das erste größere Projekt ist dann u.U. Ihre Abschlussarbeit.

Die Struktur für einzelne Dokumente gebe ich ungern vor, da diese nur als Formulare denn als lebende Dokumente aufgefasst werden. Ich möchte Ihr Nachdenken und die Kommunikation fördern und nicht nur ihr Vermögen Formulare auszufüllen. Das müssen Sie woanders genug.

Mehr Coaching

Einige Teams waren der Meinung, sie hätten sich zu früh auf eine später als falsch erkannte PM-Methode festgelegt. Statt V-Modell wäre z.B. eine agile Methode besser geeignet gewesen. Um dieses zu verhindern, sollte vor dem Festlegen auch eine Methode ein Coaching vorgesehen werden. Gut wäre auch eine Art "Pflichtgruppencoaching", bei dem ein Termin als Pflicht zum zwanglosen Kennenlernen vorgesehen ist.

Sowohl die studentische Hilfskraft als auch ich stehen Ihnen beratend zur Seite. In einer Projektstudie sollten die Aktivitäten von Ihnen, den Teilnehmern, ausgehen. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie. Und wenn Sie meinen, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, dann korrigieren Sie diese.

Verschiebung des Termins für "Projektmanagement 2"

Die Verteilung der Stunden war nicht optimal. Der Termin der parallelen Veranstaltung "Projektmanagement 2" lag nicht optimal. 6 Stunden am Block für die Projektstudie und 2 Stunden für "Projektmanagement 2" erlaubten keine so gute Nutzung von gemeinsamer Zeit.

Positiv war das Vorziehen der Inhalte von "Projektmanagement 2".

Für das kommende Semester ist geplant, 2 Blöcke a 4 Stunden für beide Veranstaltungen vorzusehen.

Rolle des Prof.

Es war nicht immer klar, in welcher meiner diversen Rollen ich mit Ihnen kommuniziere:

  1. als Professor, der Ihre Arbeit bewertet,
  2. als Entwicklungsleiter, der dafür sorgen soll, dass die Projekte vorangehen,
  3. als Kunde, sofern es kein "Firmenprojekt" ist,
  4. als Berater für Probleme aller Art.

Am Anfang, als Sie mich noch nicht vertieft kennen gelernt hatten, ist vielen von Ihnen auch nicht klar gewesen, dass ich wirklich genügend "schizophren" bin, um diese Rollen auch auszufüllen.

Wie jemand von Ihnen meinte: zum ersten Termin sollten wir in den Biergarten gehen. Dem stimme ich dem Sinne nach zu (Mitte März und evtl. Anfang Oktober könnte das Wetter nicht mitspielen). Möglicherweise haben Sie sich in den ersten Semestern ein Bild von den Professoren gemacht, dem ich in dieser Veranstaltung nicht entspreche.

Technische Probleme

Der Zugriff auf die technischen Hilfen, wie Mantis, DokuWiki und Subversion_-Server, ist nur über das fehleranfällige VPN der Hochschule möglich. Das Wiki erlaubt es zudem nicht, mehrere Versionen einer Datei zu speichern.

Den Server betreiben wir selbst. Wir sind darin aber höchstens geübte "Laien", die grob wissen, wie man es richtig macht. Einen Server öffentlich ins Netz zu stellen stellt evtl. ganz andere Anforderungen, gerade wenn der Quellcode bei "Firmenprojekten" nicht zu sehr öffentlich sein soll. Wenn es mit dem VPN Probleme gibt, melden Sie diese bitte an das Rechenzentrum der Hochschule. Das mache ich auch ;-).

Kaum eine Wiki-Implementation erlaubt es von einer Datei mehrere Versionen zu speichern. Ich sehe mir aber einmal an, ob ich die Konfiguration so ändern kann, dass ein ähnlicher Effekt erreicht wird. Ansonsten bleibt als Abhilfe, dass die zu versionierenden Dateien im Subversion gespeichert werden und im Wiki dorthin per URL verwiesen wird.

Technische Hilfen

Der Einsatz von Dropbox war für das Arbeiten im Projekt sehr hilfreich. Gut war auch, dass projektübergreifende Tipps & Tricks im Wiki standen.

Dropbox, ggf auch mit TrueCrypt sind seit einiger Zeit auch in meinem Werkzeugkasten. Diesen suche ich zu erweitern. Evtl. helfen auch Dienste wie Twitter_bei der Projektkommunikation. Ich probiere gerade auch andere Werkzeuge zur Versionierung, Bugtracking und Dokumentation aus.

Das Wiki lebt übrigens auch von Ihren Beiträgen ;-)

Viel gelernt

Sie haben viel über sich und andere gelernt. Positiv vermerkten Sie, dass Sie in dieser Veranstaltung aus ihren Fehlern lernen konnten und dies nicht erst im Berufsleben tun mussten. Sie haben nicht nur technische Fähigkeiten erworben, sondern begriffen, dass es sehr stark auf Kommunikation ankommt.

Das sollte das Ziel dieser Veranstaltung sein. Wenn es erreicht wurde, freut es mich sehr.

Eine kleine Anregung: es sollte m.E. nicht nur ein Kennenlerntermin mit dem Prof. geben, sondern auch Sie sollten sich untereinander kennen lernen. Denken Sie an die Teamuhr aus "Projektmanagement 1" ...


So, habe ich noch etwas vergessen? Ich hoffe mal nicht und freue mich, Sie dann im nächsten Semester in "Projektmanagement 3" zu sehen. Dort geht es darum, erworbenes Wissen an andere zu vermitteln.

Update 14.12.2010: im Originaltext war ein Link auf eine Baseballmütze mit programmierbarer LED-Anzeige aufgeführt. Dieser Link ist leider nicht mehr verfügbar.