Prof. Dr. Detlef Stern

25 Jahre c’t

Laudatio zum 25-jährigen Jubiläum der Zeitschrift c’t, gehalten am 31.10.2008 in Hannover. Achtung, lang.

25 Jahre c’t: Nobody is Prefect bei Glaserei

Eine schöne Laudatio auf eine Zeitschrift, die mein bisheriges Berufsleben begleitet hat. Auch der Artikel bei SPIEGEL ONLINE: Zentralorgan von Nerdistan versetzt mich in Gedanken in die Zeit meiner eigenen Anfänge.

"Damals" habe ich meine Erfahrungen mit einem TRS 80-Nachbau namens Video Genie gesammelt. Erst in BASIC, aber dann hatte ich genug davon (nein, BASIC ist nicht meine erste Programmiersprache gewesen!). Mit einem abgetippten Disassembler habe ich das gesamten "Betriebssystem" kennen gelernt. Danach wusste ich: ich brauche etwas anderes. Gefunden habe ich Forth, dass ich auf meinem Rechner in mühseliger Tipparbeit zum Laufen brachte. Ganz stolz war (und bin) ich, dass ich das 8080-Forth so verbessert habe, dass es schneller als das Z80-Forth war. Nebenbei habe ich die Datasette um 50% verbessert, indem ich nur für jedes zweite Bit ein Synchronisationsbit geschrieben habe…

Im Frühjahr 1984 fiel mir bei einem "Händler" die c’t ins Auge. Computerzeitschriften gab es viele. Ich schwankte immer zwischen der mc und der CHIP. Die CHIP war mir zu schwafelig, aber mein Vater hatte diese für mich abonniert. Die mc war wesentlich prägnanter, bot auch viele Listings aber war mir zu hardwarenah. Die c’t hatte zwar auch das eine oder andere Hardwareprojekt, aber war schon von Anfang an wesentlich ambitionierter aufgestellt. Die CHIP hatte ich vom Niveau schnell verlassen, die mc blieb mir in der Bastlerecke. Bei der c’t musste ich viel nachdenken. Zum Glück konnte ich meinen Vater überreden, das Abonnement der CHIP in eines der c’t umzuwandeln.

Seitdem ist die c’t mein treuer Begleiter. An ihr kann ich immer wieder die größer werdende Bandbreite der Computerindustrie nachvollziehen. In den Anfangszeiten konnte auch ich noch alles überblicken, aber wenn es heutzutage z.B. um Prozessoren und Graphikkarten geht, komme ich im Detail nicht mehr mit. Klar, ich habe inzwischen meinen eigenen Schwerpunkt, in dem ich die c’t hinter mir lasse. Aber für die "IT-Allgemeinbildung" ist sie für mich immer noch ohne Vergleich. Seit mehr als 23 Jahren bezahle ich das Abonnement selbst, ich musste es noch nie in Frage stellen.

Liegt die c’t (meistens Sonnabends) im Briefkasten, heißt es "das Wochenende ist gerettet". Teilweise zum Leidwesen meiner Partnerin, aber ich glaube mich über die Jahre zu bessern. Früher auch zum Leidwesen meiner Kinder. Heutzutage ist deren erste Frage, wenn wir uns sehen: "Wo ist die c’t?".

In diesem Sinne reihe ich mich in die sicher endlose Schlange der Gratulanten ein. Vielen Dank c’t für die Begleitung über knapp 25 Jahre. Die nächsten 25 Jahre (bis zur Rente ;-) ) plane ich auch schon mal ein. Und hoffentlich bin ich dann ein ruheloser Rentner...